210 Maldiven. Maldiven. Kurz ehe die Ethnologie in dem Dahingange ihres hochverdienten Gönners Emil Riebeck einen schwer ersetzbaren Verlust zu beklagen hatte, war Gelegenheit gegeben worden, mit demselben eine Expedition nach den abgelegenen Inselgruppen der Maldiven und Lacca- diven, im Interesse der Ethnologischen Abtheilung des Königlichen Museums, zu besprechen, und in Anknüpfung daran wurde für den Reisenden eine ausführliche Information aufgesetzt und demselben übersandt. Mit dem beklagenswerthen Todesfall sind die damaligen Hoffnungen, nebst noch anderen für die Zukunft, leider gescheitert, indess hat Herr Rosset, dem es gelungen ist eine reiche und werthvolle Sammlung zu erwerben, Uber dieselbe zugleich die folgenden Erkundigungen — (bezugnehmend auf Beantwortung der gestellten Fragen, und mehrfach in Berichtigung der älteren Angaben entnommenen Daten) — mitzutheilen Veranlassung genommen: Vom Malosmadulu-Atoll Hessen sich vielerlei Arten Bemalungen der Holzarbeiten beschaffen. Die ganz grossen Holz ­ schüsseln (i m breit, 5o—65 cm hoch) werden als Tifuibox sowie als Reisekoffer verwendet (meistens nur von den Reichen). Vom Addu- und Suradiva-Atoli: Baumwollene und seidene Stoffe in rother, weisser, schwarzer, brauner, grauer, blauer Farbe. Die feinen, z. B. seidenen Stoffe sind mit Gold- und Silberfäden durchzogen. Seidene Stoffe werden meistens nur von reichen Frauen als Kopfputz und Hemden getragen. Hin und wieder tragen die Minister seidene Kleider, aber dann sind dieselben kein Maldiven- Fabrikat, sondern aus Malabar oder Bengalen. Stoffe mit Frangen habe ich nicht gesehen und sollen keine auf M. gemacht werden. Vom Tiladummati-Atoll: Diverse Geflechte aus Gras und einer Art Schilf, woraus die Segel verfertigt werden. Dieselben haben gleich guten Dienst wie Segeltücher. Vom Nilandu-Atoll, auch Male-Atoll: Dort vorkommende Schmucksachen aus Gold, Silber und Kupfer. Die aus Gold für hohe, aus Silber für mittlere und die aus Kupfer für die niedersten Rassen. Gewöhnlich werden 12 Stück Ohrringe am rechten und i3 Stück am linken Ohr getragen. Das Ohr ist somit am Rande mit diesen Ringen garnirt. Die Arbeit derselben ist äusserst fein und zierlich, gleicht der Tal-Filligran-Arbeit, mit eingelegten Edelsteinen, meistens Rubinen. Das Tragen von Schmucksachen war vor alten Zeiten jeder Rangstufe vom Sultan vorgeschrieben. Trug z. B. eine arme Frau einen reichen Goldschmuck ohne Erlaubniss des