VORWORT. In trauernder Erinnerung an einen unvergesslichen Namen tritt neu eine Zeit ­ schrift ins Leben, für eine junge Wissenschaft, die in dem unaufhaltsamen Ver ­ schwinden des für ihr eigenes Wachsthum bedürftigen Arbeitsmaterials, überall von flüchtiger Vergänglichkeit getroffen, am schwersten und bittersten diese empfindet, wenn ihr jählings diejenigen Forscher und Freunde entrissen werden, auf deren fernerer Förderung und Hülfe die Hoffnungen für die' Zukunft beruhten. Klein bleibt bis jetzt der Mitarbeiter Kreis, ein winzig kleiner für die Un- ermesslichkeit der Aufgabe, die vorliegt, und möge ohne Verzug deshalb der Nach ­ wuchs heranreifen, das zu retten, was noch fertig steht, — zu arbeiten, so lange ein Rest des Tageslichts noch dämmert, ehe die Nacht kommt, im unausbleiblichen Untergang der Naturstämme (für ihre psychischen Originalitäten). Indem so diese Publikation mit einem Nekrolog zu eröffnen war, beginnt sie mit Aufzählung der im Königlichen Museum aus Nachtigal’s Reisen vorhandenen Sammlungen. 1 ) — Im Anschluss an die Resultate der durch die Kaiserliche Admiralität veranlassten Erforschung der Osterinsel (s.Beiheft zum Marineverordnungsblatt, N0.44) folgt das Verzeichniss der dem Museum dadurch zugeführten Sammlungen, 2 ) sowie (aus dem Inselmeer der Südsee gleichfalls) ein Beitrag von der besten, zur Zeit alleinigen, Autorität für Mikronesien, dem dort seit Jahren thätigen Reisenden Kubary, in Weiterführung der eingehend sachkundigen Monographien, 3 ) welche demselben in der ethnologischen Literatur von früher her bereits zu danken sind. Da es sich ermöglicht hat, Vereinbarungen mit ihm anzuknüpfen, und umfassende Materialien seitdem eingelaufen sind, wird noch in der Fortsetzung der Hefte Gelegenheit geboten sein, seine an Ort und Stelle gepflegten Studien allgemeiner Benutzung zugänglich zu machen. Ferner bringt dieses erste Heft Mittheilungen über die Sammlungsergebnisse des Reisenden Rohde, der im Aufträge des Museums in Südamerika thätig war, sodann aus den durch Vermittelung der Kaiserlichen Gesandtschaft in Peking, in altbewährter Gönnerschaft des Herrn von Brandt, zugegangenen Sammlungen die Umschriften taoistischer Tempelbilder, ferner eine Besprechung tibetischer Cultus- figuren, und zum Schluss ist durch Güte Bischofs Thiel eingesandt ein Vocabular aus Costarica angefügt, mit einem Commentar durch Herrn E. Seler, der der Ethnologischen Abtheilung seine Mitarbeit gewidmet hat und auch den Bericht über die südamerikanischen Sammlungen eingeleitet hat.