370 B. Referate. Urgeschichte. beantwortet zu finden. Das ist denn auch in dem vorliegenden Werke der Fall. Sozusagen alle bis jetzt bekannt gewordenen prähistorischen Schwerter sind ins Auge gefasst, nach ihren Fundumständen, ihren Formen, ihrer Technik und Ornamentik geprüft und unter einander verglichen worden, um daraus ihre Herkunft und ihre chronologische Stellung zu fixieren. Noch sind nicht alle Fragen bezüglich dieser Waffen beantwortet; es ist möglich, dass manche Details, die in Naues Schwerterwerk zu einem grossen Bilde verwoben wurden, später in eine etwas andere Beleuchtung gerückt werden, aber es ist ganz gewiss, dass das Werk eine grosse Lücke in der urgeschichtlichen Litteratur ausfüllt, dass es jeder mit grossem Vorteil studieren wird, besonders der ­ jenige, der auch etwa zwischen den Zeilen zu lesen versteht und Freude hat an manchen kleinen, aber feinen Bemerkungen, die der Verfasser in reicher Zahl in die grossen Züge seines Gedankenganges einzustreuen ver ­ standen hat. Dr. J. Heierli-Zürich. 401. A. Schliz: Der Bau vorgeschichtlicher Wohnungen (Vortrag in der anthropolog. Sektion der 74. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte in Karlsbad). Mitteilg. d. anthrop. Gesellsch. in Wien, 1903. Bd. XXXIII (N. F. III), S. 301 bis 320. Für die mittlere Neckargegend lässt sich ein Bild der prähistorischen Besiedlung von den Uranfängen bis zur Schwelle der geschichtlichen Kenntnis entwerfen. Die grundlegende Verschiedenheit der Wohnanlagen aus ver ­ schiedenen Epochen berechtigt zu der Annahme, dass verschiedene Völker mit verschiedener Kultur nacheinander hier gewohnt haben. In der jüngeren Steinzeit bestanden zwei Siedlungsformen: friedliche Dörfer in fruchtbarer Ebene und enggedrängte, befestigte Ansiedlungen auf Berghöhen. Erstere sind an die Flussläufe gebunden und erinnern an die germanischen Haufendörfer; es sind Dauersiedlungen, während die anderen wohl nur vorübergehend benutzt wurden. Bei einem typischen Beispiele eines Hauses der ersteren Siedlungsform erscheint der Schlafraum gegen den Wirtschaftsraum erhöht, die Wandpfosten waren durch Reiswerk ver ­ bunden. Der Bewurf bestand aus Lehm, im Inneren bemerkt man Glatt ­ strich mit Kalk und Tünchung, ja sogar Malerei mit Wasserfarben. In der Nähe des Wohnhauses lag ein Stall. Die zusammengehörigen Gebäude waren wahrscheinlich durch eine Einzäunung verbunden. Im Inventar er ­ scheint stich- und strichverzierte Keramik mit Linearkeramik gemischt. Die Gräber sind reihenförmig angeordnet. In der Bronzezeit besetzen wahrhafte, viehzüchtende und handel ­ treibende Stämme mit beschränktem Ackenbau die Höhen. In der Nähe mächtiger Ringwälle finden sich Erdbauten, besonders Trichtergruben. Es sind wohl Notwohnungen. Im fruchtbaren Hügelgelände lagen Gruppen