366 B. Referate. Urgeschichte. III. Urgeschichte. A. Allgemeines. 400. Julius Naue: Die vorrömischen Schwerter aus Kupfer, Bronze und Eisen. Mit einem Album, enthaltend 45 Tafeln u. Ab ­ bildungen. München, K. priv. Kunstanstalt Piloty u. Loehle, 1903. 4°. VIII u. 126 Seiten. Schon einige Male wurde der Versuch gemacht, den Ursprungsort und die Entwicklung der prähistorischen Schwerter klar zu legen, aber immer erwies sich das Material als noch nicht umfangreich genug. Mit der Zeit haben sich aber die Funde derart gemehrt, dass jener Versuch mit Aus ­ sicht auf Erfolg wiederholt werden konnte. Freilich brauchte es dazu einen Forscher, der die gesamten einschlägigen Materialien übersah und beherrschte, ein feines Gefühl für Formen und Ornamentik besass und die prähistorische Technik genau kannte. Alle diese Anforderungen trafen in Professor Dr. J. Naue, der ein langes Leben hindurch auf urgeschichtlichem Gebiete thätig war, vollkommen zu. Naue betrachtet zuerst die Schwerter ohne Vollgriffe und unterscheidet fünf Typen derselben. Typus I ist entstanden aus den ältesten bekannten Kupferdolchen und begreift diejenigen Schwerter in sich, die im Osten der Mittelmeerländer zuerst in Kupfer, dann in Bronze gegossen wurden und teilweise bis ins dritte vorchristliche Jahrtausend hinunter reichen, wie die im ganzen dreieckigen, mit rauten- oder linsenförmigem Klingendurchschnitt versehenen Kupferschwerter von Cypern. Bedeutend jünger sind die in den mykenischen Schachtgräbern gefundenen Schwerter aus Bronze. Sie haben eine dreieckige Klinge und endigen in eine kurze Griffzunge. Aus ihnen mögen sich jene um 1400 vor unserer Zeitrechnung erscheinenden Bronze ­ schwerter entwickelt haben, welche bei ähnlicher Klinge eine mit niedrigen und schmalen Rändern versehene Griffzunge besitzen. Nach und nach treten dann Schwertklingen auf, deren Mitten einen verstärkenden Wulst aufweisen oder bei denen der rautenförmige Durchschnitt in einen spitzovalen übergeht. Viel einheitlicher ist Typus II, nur Bronzeschwerter umfassend. Ob ­ wohl ein Exemplar desselben in Mykenä zum Vorschein kam, ist dieser Schwerttypus nicht im östlichen Mittelmeerbecken entstanden, sondern in Mittel-Italien, wo er gegenwärtig in 20 Stücken nachgewiesen werden kann. Fine weitere Entwicklung erfuhr diese seit ca. 1200 v. Chr. existierende Form in Ungarn und in Nordeuropa. Das zum Schlag geeignete ungarische Bronzeschwert, dessen Schwerpunkt mehr gegen die Spitze gerückt ist, er ­ scheint eigentümlich wuchtig gegenüber dem eleganten Bronzeschwert des nördlichen Europa. Aus dem zweiten Typus haben sich die Bronzeschwerter der Hallstattzeit entwickelt mit ihren stark geränderten Griffen, ihren oben einziehenden und nach unten anschwellenden Klingen. Sie leiten über zu