364 B. Referate. Ethnologie. 398. A. Schiick: Die Stabkarten der Marshall-Insulaner. Ham ­ burg, Kommissions-Verlag von H. C. Persielil, 1902. 37 S. und 11 Tafeln. Dass unter Umständen die praktischen, während eines Jahrzehnte lang ausgeübten Berufes gesammelten Erfahrungen eines Laien auch für die Wissen ­ schaft von Wert sein können, zeigt uns die vorliegende Abhandlung. Mit schätzenswertem Eifer hat sich Verf., ein alter Seemann, der Mühe unter ­ zogen, durch Anfrage bei fast allen öffentlichen Sammlungen beider Erd ­ hälften und bei den ihm bekannt gewordenen Privatsammlungen nach dem Vorhandensein von sogen. Stabkarten Nachforschungen zu halten und Zeich ­ nungen sowie Photographien von allen vorhandenen sich zu verschaffen. Es ist ihm auf diese Weise gelungen, im ganzen 45 Exemplare dieser merk ­ würdigen Seekarten zusammenzubekommen. Die erste Nachricht von den ­ selben stammt von einem amerikanischen Missionar, Dr. Gulick, aus dem Jahre 1860. Seitdem blieb man indessen über ihre Bedeutung im Unklaren, bis Kapitän z. S. Winkler im Jahre 1898 eingehende Nachforschungen hier ­ über bei den Eingeborenen mit Erfolg anstellte. Bis jetzt kennt man solche Karten mit Sicherheit nur aus den süd ­ lichen Teilen der Marshall-Inseln; die meisten stammen naturgemäss vom Mittelpunkt des dortigen Verkehrs, von Jaluit. Sie stellen ein System von zusammengebundenen Stäbchen mit einzelnen darauf befestigten Muscheln vor. Die Stäbchen, bald gebogen, bald gerade, bezeichnen die vorherrschende Dünung, die Kreuzungspunkte die beim Zusammenstoss verschiedener Dünungen entstehenden Kabbelungen, die Muscheln die Inseln. Ausserdem bedeuten einzelne Linien noch die Sichtweite der Inseln, sowie einige andere bei der Seefahrt in Betracht kommende Merkmale. Mit Winkler, der der Ein ­ teilung der Stabkarten bei den Eingeborenen folgte, unterscheidet Verf. drei Arten. Die erste Gruppe, die Mattang, sind Lehr- oder Anschauungskarten; sie sollen für den jungen Insulaner den Verlauf der Dünungen zwischen zwei Inseln im allgemeinen erläutern. Die zweite Art, die Rebbelib, stellt Über ­ sichtskarten vor, und zwar umfassen diese Rebbelib-Karten entweder den ganzen Archipel oder nur eine der beiden Ketten der Marshall-Inselwelt (Ratack und Raliclc), oder sie geben entweder den südlichen Teil oder den nördlichen Teil der gesamten Gruppe wieder. Die dritte Art, Medo genannt, sind Einzeln- oder Spezialkarten von den Untergruppen oder Teilen der Gruppen, innerhalb welcher der betreffende Schiffsführer verkehrt. Wegen der Einzelheiten sei auf das Original verwiesen. 11 Tafeln geben die 48 Stabkarten in Zeichnungen wieder, sowie eine gleichfalls auf die Seefahrt sich beziehende kartographische Darstellung, welche Haddon auf einer der Murray-Inseln der Torresstrasse entdeckte, eine Steiusetzung auf der Weihe-Stätte bei Dam auf der Insel Mer. Diese Gruppe von 14