B. Referate. Ethnologie. 361 anschliessend die (Hocker-)Beerdigungs- und Trauerceremonien besprochen. Kannibalismus kommt im ganzen Nordwesten vor; die Fleischteile eines erlegten Feindes werden unabänderlich gegessen und, wenn ein grosser Krieger oder Jäger des eigenen Stammes stirbt, so schneidet man sein Herzfett aus und isst es auf, um sich der Kraft und Geschicklichkeit der Yerstorbenen zu versichern. Sehr rudimentäre, mit der Steinaxt nach Yorzeichnung mit Kreide oder Holzkohle eingehauene Felsenzeichnungen von Tieren wie Menschen in oft sehr obskönen Stellungen finden sich auf allen Berggipfeln; auch die Wände mancher Höhlen sind förmlich damit bedeckt. Im Alter von 16—17 Jahren bringen sich beide Geschlechter tiefe Schnitte über der Brust mit dem Flintmesser bei, deren Narben später die Familien- und Namenszeichen bilden. Bei allen Stämmen Nordwest-Australiens ist die Circum ­ cision im Schwange, deren Yollziehung, wie fast überall, mit grossen Initiations ­ festlichkeiten verknüpft ist, über die ziemlich ausführlich berichtet wird. Den Schluss von Clements Artikel bilden kurze Mitteilungen über Wohnung (während der schweren Regen und Cyklone im Februar und März in Höhlen, sonst meist nur unter halbkreisförmigen Windschirmen aus Zweigen), dann über Heirat und die gerade bei den Australiern so verwickelten Heirats ­ gesetze; die Hochzeitsfeierlichkeiten selbst sind fast null. Polygamie ist Regel; von Polyandrie hat CI. nur einen einzigen Fall gesehen. Als Kuriosum wird vermerkt, dass die ältesten Männer gewöhnlich die meisten und jüngsten Frauen haben. Die Mika-Operation als Yorbeugungsmittel gegen allzu reich ­ lichen Nachwuchs wird überall an einer Anzahl junger Männer ausgeführt. Clement gelang es, ein ausgezeichnetes Präparat an die Universität Oxford einzusenden. Beigefügt sind dem Aufsatze ein Yokabular des Gualluma-Stammes und ein durch vier ausgezeichnete Tafeln illustrierter beschreibender Katalag einer von Herrn Clement an das Leidener Yölkermuseum eingesandten ethno ­ graphischen Sammlung aus der Feder des Direktors dieses Instituts, Dr. J. D. E. Schmeltz, der den Artikel auch mit wertvollen Hinweisen und Anmerkungen versehen hat. Hofrat Dr. B. Hagen-Frankfurt a. M. 397. G- Thilenius: Ethnographische Ergebnisse aus Melanesien, II. Teil. Nova Acta. Abhdl. d. Kaiserl. Leopold. Carol. Deutschen Akademie d. Naturforscher z. Halle, 1903. Leipzig, in Kommiss, bei W. Engelmann. Thilenius besitzt den umfassenden Blick, der allein im Stande ist, sich und Anderen Klarheit in dem Gewirr der pazifischen Inselgruppen zu ver ­ schaffen, das zeigt auch der zweite Band seiner ethnographischen Ergebnisse aus Melanesien, der die westlichen Inseln des Bismarck-Archipels behandelt, Taui, Agonies, Kaniet, Ninigo und Popolo-Hunt. Es fällt schwer, sich an diese neuen Namen zu gewöhnen an Stelle der alten, wohlbekannten und