359 B. Referate. Ethnologie. Knochen der Steinzeitmenschen gefunden worden, kommen auch hei denen der Aino vor. Tsuboi schreibt den nackten osteometrischen Zahlen eine viel zu grosse Bedeutung zu. Auch was derselbe über den Wert der Platyknemie und der Zahnkaries als Unterscheidungsmerkmale sagt, entzieht sich, im Grunde genommen, der Kritik. Alle Punkte, welche bei einer direkten Ver ­ gleichung zwischen Steinzeitresten und jetzigen Aino nicht übereinstimmen, stellt Tsuboi ganz willkürlich als ein Unterscheidungsmerkmal auf, ohne dabei jenen mächtigen Faktor, die Zeit, in Betracht zu ziehen. Solange wir nicht beweisen können, in wiefern die Lebenszustände der Aino seit der Steinzeit sich geändert haben, ist die ehemalige Existenz des Koropok- guruvolkes durchaus zweifelhaft. Kogonei legt, mit vollem Rechte, grosses Gewicht darauf, dass die Aino der Nordkurilen und von Sachalin noch jetzt Erdjurten bewohnen. Er hebt ausdrücklich hervor, dass Tsuboi bei seinen Untersuchungen diese Aino vollkommen ausgeschlossen und bloss die von Yezo in Betracht gezogen hat. Spuren von Jurtenwohnungen, in Form von Erdgruben, sind nicht nur auf Yezo, Sachalin und den Kurilen, sondern auch auf der Hauptinsel Japans anzutreffen. Tsuboi legt auch der märchen ­ haften Sage der Aino über die Koropokguru (auf Sachalin als Tonchisage bekannt), eine zu grosse Bedeutung zu. Es ist bemerkenswert, dass die Aino auf der Insel Shikotan (Südkurilen) von dieser Sage nichts wissen. Aber diese Leute stammen von den Nordkurilen und zeigen in Lebensweise und Sitten mancherlei Unterschiede von den übrigen Aino. Der Häuptling auf Shikotan erzählte Koganei, „dass die Nordkurilen-Aino früher Steinge ­ räte und irdene Gefässe gebraucht hätten; über die Herstellungsweise wisse man nichts mehr, aber er vermochte noch die Gebrauchsweise des Stein ­ beils genau anzugeben“. Steingeräte und Gefässscherben sollen häufig in den Gruben gefunden werden, welche die einstige Stelle früherer Jurten ­ wohnungen auf den Inseln Shumshu, Poromoshiri u. s. w. einnahmen. Des ­ wegen kennen die Aino der Nordkurilen die Sage der Koropokguru resp. Tonchi nicht. Die kleine Gruppe (etwa 60 Seelen) der Shikotan-Aino bildet sozusagen ein missing-link zwischen den Steinzeit- und den jetzigen Aino. Die Meinung Koganeis wird u. a. von Läufer (siehe diese Zeitschrift, Jahrg. Y, 1900) geteilt. Auch der Japaner Torii, der Untersuchungen auf den Nordkurilen anstellte, bringt sichere Beweise für die Annahme, dass die dortigen Reste der Steinzeit nur von den Vorfahren der Aino herrühren. Koganei schliesst seine lehrreiche Schrift mit den Worten, welche er schon früher ausgesprochen hat: „Das japanische Reich war einst ein Aino-Reich“. Wir müssen Prof. Koganei Dank wissen, dass er auch durch Be ­ nutzung der japanischen Quellen in dieser verwickelten Frage Klarheit ge ­ bracht hat. Mögen seine Kollegen in Tokyo dem Beispiel Koganeis folgen und fortan ihre Arbeiten in irgend einer europäischen Sprache der übrigen Wissenschaft zugänglich machen. jy. ¿ en Kate-Kobe.