352 B. Referate. Ethnologie. Gelehrten verwandter Wissenschaften bringt; beide Kapitel bilden unent ­ behrliche Nachschlagebücher. In dem Adressbuch ist zwar auch den meisten Ethnologen und Anthropologen Beachtung geschenkt worden, indessen ver ­ missen wir doch noch darin manchen Namen von gutem Klang. Bei den engen Beziehungen, die zwischen Völkerkunde und Erdkunde bestehen, bedarf es keines Hinweises, dass auch der Ethnologe bei dem Geographenkalender auf seine Kosten kommen dürfte, was auch schon aus dem reichen Inhalt hervorgeht. Wenngleich der Herausgeber in der Ein ­ leitung bescheiden um Nachsicht bittet, dass der vorliegende Jahrgang noch nicht das geworden ist, was ihm bei der Bearbeitung des Kalenders vor ­ schwebte, so bildet er doch bereits eine „nie versagende Auskunftei für den Tisch des Geographen“ und auch des Ethnologen. Buschan-Stettin. B. Spezielles. 387. J. Amtmann: Untersuchungen über frühmittelalterliche und moderne Schädel aus Pfünz bei Eichstätt. Inaug.-Diss., München 1903. Abgedruckt in: Beiträge zur Anthropologie u. Urgeschichte Bayerns, 1903. Bd. XV, S. 13—65. Einen Beitrag zur Beleuchtung der Frage über die Übergangsperiode von der vorhistorischen dolichocephalen in die moderne brachycéphale Schädel ­ form leistet A. mit seiner Untersuchung einer beim römischen Kastell zu Pfünz in Bayern aufgefundenen Reihe von Schädeln, welche ihm von Ranke zur Bearbeitung übergeben wurden. Die Schädel stammten aus dem Mittel- alter und zwar waren hiervon 21 frühmittelalterlich, 6 spätmittelalterlich; ausserdem lagen 10 moderne Schädel aus einem Ossarium desselben Ortes vor. Von den frühmittelalterlichen waren 9 Schädel dolichocephal, 4 meso- cephal, 6 brachycephal; die übrigen mittelalterlichen Schädel waren 3 doli ­ chocephal, 1 mesocephal, 2 brachycephal; die modernen Schädel sind vor ­ wiegend brachycephal. A. nimmt an, dass in Pfünz, welches im fränkischen Jura liegt und der Sitz der am meisten brachycephal en Bayern zu sein scheint, die Umwandlung der einst vorwiegend dolichocephalen Reihengräber ­ bevölkerung in die heutige stark brachycéphale bedeutend rascher vor sich ging als in Lindau von der mesocephalen in die brachycéphale, worüber eine gründliche Arbeit Rankes vorliegt. Hingegen blieb die Kapazität des Schädels innerhalb ihrer absoluten Grenzen dieselbe, wie sie vor tausend Jahren war (3562), wenn auch bekanntlich die Brachycephalen selbst bei kleinerem Schädelvolumen eine relativ viel höhere Kapazität aufweisen, als die Dolichocephalen. A. stellt sich auf den Standpunkt Rankes, indem er die Pfünzer Schädel nicht als Übergangsformen, sondern als direktes Resultat der Mischung zweier Schädeltypen bezeichnet. Br. Oskar v. Rovorka- Wien.