B. Referate. Ethnologie. 349 er brauchte nur anzunehmen, dass die Vererbungssubstanz der beiden Eltern jedesmal in etwas anderer Weise halbiert worden ist. Auch die Möglichkeit, dass Krankheitsanlagen der Eltern vor der Befruchtung ausgeschieden, also nicht auf das Kind übertragen w r erden, wäre durch Bezugnahme auf die Richtungskörperchen zu erklären, endlich die von Ruppin ausgiebig be ­ sprochene Thatsache, dass bei gesunden Eltern die Blutsverwandtschaft keines ­ wegs eine fehlerhafte Nachkommenschaft bedingt, während es leicht geschehen kann, dass die in einer Familie vorhandene Krankheitsanlage nicht mit den Richtungskörperchen ausgestossen wird, also in den Nachkommen mit doppelter Vererbungsmasse auftritt. Anderseits muss anerkannt werden, dass Ruppin die Wirkung der standesmässigen Heiraten im Sinne der socialen Auslese und der Erzeugung einer hochwertigen Nachkommenschaft anerkennt. Leider hat auch bei ihm das Wort Rasse nur eine gelegentliche Er ­ wähnung gefunden. Die Verschiedenheit der Rassenanlagen und die wichtigen Folgen, die dadurch in Mischlingsbevölkerungen hervorgerufen werden, ent ­ gehen ihm gänzlich. Auf der Grundlage, die er in seinen Abschnitten über die Vererbung gelegt hat, hätte er notwendig zu der Folgerung kommen müssen, dass die der einen oder andern Rassenkomponente nahestehenden Mischlinge bei freiem Wettbewerb eine sociale Schichtung hervorbringen. Der Verf. geht ausführlich auf das gegenwärtig herrschende Parteileben Deutschlands ein. Dass er dabei nur an die Bethätigung der Parteien in der inneren Politik denkt, ist ihm nicht als Fehler anzurechnen, weil das Preisausschreiben ausdrücklich nur von dem Einfluss der Deszendenztheorie auf die innerpolitische Entwickelung der Staaten spricht. Da aber die Stellung der einzelnen Staaten zu den Problemen der Weltwirtschaft und der Weltpolitik heute mehr als je auf die inneren Verhältnisse zurückwirkG beispielsweise die Mittel zur Bestreitung des Aufwandes für die deutsche Socialpolitik von aussen her gewonnen werden müssen, so hätte ihm eine Abschweifung nicht verboten werden können. Er behandelt auch die Social ­ demokratie als Partei nur hinsichtlich ihrer Bedeutung für die inneren Zu ­ stände des Deutschen Reiches und schliesst mit dem Satze, dass, je mehr man sich gewöhnen würde, diese Partei als gleichberechtigt anzusehen und sie zur positiven Mitarbeit heranzuziehen, um so eher sie ihren oppositionellen Charakter aufgeben und sich innerhalb der heutigen Gesellschaftsordnung zu einer Klassenvertretung der industriellen Arbeiter entwickeln werde. Dass die Miliz- und Entwaffnungsprojekte der Socialdemokratie wahrscheinlich schon viel früher, als die Entwickelung zu einer Klassenvertretung der indu ­ striellen Arbeiter vollendet w'äre, eine Katastrophe der auswärtigen Politik herbeiführen und das deutsche Volk auf eine tiefe Stufe des Wohlstandes und der materiellen Kultur herabdrücken würde, ist eine Möglichkeit, die er nicht erwogen hat. Die Kritik hat, wie schon gesagt, die Mängel der betr. Schriften auf-