344 B. Referate. Anthropologie. 381. A. Marro: Idiota microcefalo. Atti della Soc. Rom. di Antropol. 1903. Vol. IX, S. 267—280. Der beschriebene 23jährige Idiot aus der Irrenanstalt Turin ist der letzte von 8 Geschwistern, von denen 6 geistig gesund waren, das siebente Kind, eine Schwester, ebenfalls mikrokephal und idiotisch war. Der Yater, der zur Zeit der Erzeugung des letzten, idiotischen Kindes schon im vor ­ geschrittenen Alter, Ende der 40, war, ist starker Trinker, die Mutter leidet an Kopfschmerzen und Depressionszuständen. Mit Geschick unterscheidet Yerf. atavistische einerseits und atypische und krankhafte Symptome andrer ­ seits in dem beschriebenen Falle. Die ersteren, deren Ursache er in dem vorgeschrittenen Alter des Yaters bei Erzeugung des Kindes sieht, sind Mikrokephalie, Adhärenz des Ohrläppchens, ellipsoide Kontur des Zahn ­ bogens, Lemurfortsatz des Unterkiefers, Haarwuchs in der Sakralgegend, relativ stärkere Ausbildung der Unterarm- und Unterschenkelknochen, knorpel ­ artige Beschaffenheit des septum intercavernosum penis; kindliche Intelligenz und Sprache, wenig differenzierter Geschmack und Gehässigkeit. Zu den atypischen und pathologischen Erscheinungen, die ihre Entstehung krank ­ haften Zuständen der Eltern, hier dem Alkoholismus des Yaters und dem Geisteszustand der Mutter, verdanken sollen, gehören im vorliegenden Falle ungleichmässige Einpflanzung der Ohrmuscheln, Hammerzehen, Abweichen der Zunge, leichter Strabismus, klonische Zuckungen der Gesichtsmuskulatur, Ausfall in den Geruchsempfindungen und niedriges Gefühlsleben. Man muss zugeben, dass die Differenzierung der sogenannten degenerativen Erscheinungen, wie sie Yerf. versucht, wenigstens einen kleinen Fortschritt in der Lehre von den Degenerationsmerkmalen bedeutet, wenn die ätiologischen Verhältnisse wohl auch nicht so einfach liegen mögen, wie es Yerf. darstellt. H. Laufer-Giessen. 382. A. Baer: Über jugendliche Mörder und Totschläger. Archiv f. Krimmalanthropologie, 1903. Bd. XI, S. 103—170. Verf. schildert bei 22 jugendlichen Yerbrechern im Alter von 14 bis 18 Jahren den Hergang der Strafthat, das Verhalten des Individuums bei und nach dieser und dann die weiteren Wahrnehmungen, die er während der Gefangenschaft an den Delinquenten gemacht hat. Aus den Einzelbeobachtungen zieht Yerf. folgende, durchaus gerecht ­ fertigte Schlüsse. Wenn man erwarten durfte, dass die typischen Zeichen des geborenen Verbrechers am meisten im kindlichen und jugendlichen Alter ausgeprägt sein müssten, so muss man beim Mangel solcher spezifischer Merkmale, die nur in der somatischen Organisation der Verbrecher, nicht aber in der der Unbescholtenen vorkämen, durchaus die Existenz des ge ­ borenen Verbrechers und des Verbrechertypus leugnen. Im Gegensatz dazu wird betont, dass wie sonst die Verbrecher auch die jugendlichen durchweg