324 A. Uriginalarbeit. In gleicher Weise wurden 3972 Ehen in Kotterdam untersucht, einer Grossstadt mit 318000 Einwohnern. Das Ergebnis war folgendes: Wohlstands gruppe I ärmste II III IY reichste Anzahl der Geburten mit Einschluss der Totgeborenen pro Familie . . . 5,59 5,04 4,18 4,19 Totgeborene aut 100 Geburten .... 3 3,21 3,85 2,80 Anzahl der Kinder, die das 5. Lebens ­ jahr erreichten, pro Familie .... 4,02 3,72 3,14 3,47 Die Unterschiede zwischen beiden Tabellen sind keine besonders grossen. Nur zeigt sich, dass die Ehen in der kleinen Stadt Dordrecht fruchtbarer ausfallen, aber da die Mortalität dort auch grösser ist, so gleichen sich die Unterschiede so ziemlich aus, denn wenn man nur die Kinder berücksichtigt, welche das 5. Lebensjahr erreichen, dann erhält man ungefähr das gleiche Mittel: es übt die fast zehn ­ mal grössere Stadt somit keinen viel schlechteren Einfluss auf die wirkliche Vermehrung aus. Die Ausgleichung der Unterschiede legt den Gedanken nahe, dass eine Familie nur eine bestimmte Anzahl Kinder grossziehen kann. Wie dem auch sein möge, jedenfalls bleiben die ärmeren Familien im Vorteil, wenn die Unterschiede auch gering sind. !) Man hat wohl angenommen, dass die wohlhabenden Familien darum weniger fruchtbar sind, weil die Männer später heiraten. Es genügt diese Thatsache aber nicht zur Erklärung des Unterschiedes, denn aus den ärmeren Familien traten 73 % der Männer vor dem 30. Jahre in die Ehe, von den wohlhabenden 64°/ 0 , also beträgt der Unterschied nur 9%. Ausserdem ist die Fruchtbarkeit des Mannes doch so wenig eingeschränkt, dass solcher Unterschied ganz wertlos wird, zumal sich für diese Städte herausstellte, dass die Frauen der verschiedenen Gruppen ungefähr in gleichem Alter heiraten. Ich glaube, dass der Unterschied in der Fruchtbarkeit nicht physischen, sondern psychischen Ursachen zuzuschreiben ist, es will die Bourgeoisie eine kleine Kinderzahl und erreicht dies durch den Neo-Malthusianismus ; anderseits ertragen auch manche Mütter der besseren Stände eine grössere Zahl Geburten nicht, aus bleichsüchtigen Mädchen werden keine kräftigen Weiber; diese Schwächung der Mütter könnte dann 1) Es werden diese Unterschiede natürlich bei Multiplikation weit grösser, in etwa Jahren werden 100000 Ehen der Arbeiter ungefähr 402000 Kinder pro ­ duzieren (welche fähig sind, 5 Jahre alt zu werden), während 100000 Familien der reichsten Klasse nur 347000 Kinder besitzen werden. Wir werden weiter unten sehen, dass diese Berechnung uns aber auf Irrwege führt.