300 B. Referate. Ethnologie. schreibt die z. T. mit religiösen Feierlichkeiten verbundenen Feste der Brod- frucht- und Yamsernte, die Besuchsfeste und schildert nach kurzer Auf ­ zählung dreier Arten von Tänzen den Kapirtanz, der gefeiert wird, wenn dem Stammeshaupt ein neues Kanu überreicht wird. Das dabei angeführte alte Lied soll eine historische Erinnerung an das Zusammentreffen mit fremden Kanonen führenden Segelschiffen sein. Born geht auf die Veran ­ lassung zu den Tänzen wenig ein. In unzähligen Tanzliedern und Er ­ zählungen sind die Begebenheiten früherer Zeiten und der Gegenwart ver ­ arbeitet. Dem äusseren Charakter nach teilt er die Tänze in obsköne und nicht obsköne. Beide Arten werden sowohl von Männern wie von Frauen, aber nur gesondert, ausgeführt. Ja, meist darf das andere Geschlecht nicht einmal Zusehen. Während nun die eine Art völlig decent und anmutig ist, lässt die andere an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Koitus in allen Lagen mit Andeutung ungeheurer Geschlechtsteile soll die Pointe sein. Wie das zu erklären ist und inwieweit die Tänze überhaupt aus religiösen Zauber ­ zeremonien hervorgegangen sind bzw. mit ihnen Zusammenhängen oder -hingen, lässt sich aus dem Gebotenen nicht feststellen. Man muss neues Material ab warten, hat aber alle Ursache, derartige religiöse Erklärung, wie sie z. B. für andere obsköne Tänze an verschiedenen Stellen der Erde nachgewiesen ist, nicht aus den Augen zu lassen. Dr. K. Th. Preuss-Berlin. 335. N. Léon: Los Comanches y el dialecto Cahuülo de la Baja California. Anales del Museo Nacional de Mexico, 1902. Tomo VII, S. 263—278. Der Verf. veröffentlicht aus den im Museo Nacional befindlichen Schriften von Jose Fernando Ramirez bisher ungedruckte Aufzeichnungen über Gebräuche bei den Comanchen und ein kurzes Vokabular des ihrer Sprache verwandten Cahuillo-Dialektes von Antonio Penafiel. Hinzugefügt ist die Bibliographie über die Comanchen. Als sehr interessant stellt sich der Sonnenkultus der letzteren heraus, dessen Beschreibung neben den Notizen über Ehe und Begräbnis den Hauptteil der ersten Abhandlung bilden. Die Sonne ist ihre höchste Gottheit. Ihr wird Mitte August ein grosses Fest gefeiert, das den ersehnten Regen herbeiführen soll, und der stellt sich denn auch immer um diese Jahreszeit ein. Es herrscht der Glaube, dass an diesem Feste ein Mensch durch den ersten Strahl der aufgehenden Sonne getötet wird. Es handelt sich also um ein Menschenopfer oder das Rudi ­ ment eines solchen. Auf Ramirez’ Frage, ob man an dem Leichnam irgend welche Wunden wahrnehmen könnte, antwortete sein gläubiger indianischer Gewährsmann, dass der Körper Brandspuren aufweise. Weiter veranstaltet man an diesem Feste in einer Pappelpflanzung eine Feierlichkeit, deren Mittelpunkt eine ihrer Zweige beraubte Pappel ist, die man in die Erde gegraben hat. Am oberen Teile des Stammes wird das Bild der Sonne