298 B. Referate. Ethnologie. 331. C. G. Seligmann: The medicine, surgery, and midwifery of the Sinaugolo. Journal of the Anthropol. Institute of Great Britain and Ireland, 1902. Yol. XXXII, S. 297—304. Das Gebiet der Sinaugolo liegt im Rigo-Distrikt Neu-Guineas, und zwar im Binnenlande. Nur wenige Krankheiten sind klar genug erkannt, um benannt zu werden. Man unterscheidet Malaria unter dem Namen enaguli, wörtlich Kälte, während beni die Bezeichnung für den ihr konischen Milztumor ist. Die Behandlung besteht in einer Tätowierung über der Milz. Dysenterie, kukurara, wörtlich blutiger Stuhl, wird nicht behandelt. Leuco ­ derma, tabu, soll von kleinen Organismen erzeugt werden, welche in Sand und Schlamm leben. Der Ringwurm, levu, ist wahrscheinlich neuerdings eingeführt, er wird gewöhnlich nicht behandelt; Vorstellungen über seine Herkunft fehlen. Gicht, nagama, gilt als erblich und ist sehr häufig, Rheuma ­ tismus wird ebenso bezeichnet und durch Tätowierungen behandelt, deren Muster wiedergegeben wird. Aus dem Gebiet der Chirurgie ist die Ver ­ wendung des Saftes von Hoya australis zum Bestreichen von Brandwunden zu erwähnen. Knochenbrüche werden mit Holzsplittern geschient und mit Blättern umpolstert, doch werden die Gelenke niemals immobilisiert. Blutungen stillt man durch Aufbandagieren eines Bananenstengels. Der tätliche Aus ­ gang von Schlangenbissen beruht auf dem Einfluss der Zauberei. Bisse am Morgen gelten als stets tätlich, eine Behandlung ist unbekannt. Bemerkens ­ wert ist die Sorgfalt der Leute für ihre Kranken, die nicht isoliert, sondern gepflegt werden. Für gewöhnlich ist auch hier die Krankheit hervorgerufen durch dämonische Einflüsse und wird entsprechend behandelt. Als Ort der Empfängnis gelten die Brüste, da sie die ersten Zeichen der Schwangerschaft erkennen lassen; wenn das Kind eine gewisse Grösse erlangt hat, fällt es in den Unterleib herab. Irgend welche weitere Kenntnisse bestehen nicht. Verfasser meint, die Vorstellung über Empfängnis und Schwangerschaft knüpfte an Beobachtungen an, welche das wohlbekannte und viel gejagte Wallaby bietet. Bei der Geburt giebt der Hausherr den Frauen der Nachbarschaft ein Fest, ebenso nach der Geburt. Geschieht dies nicht, so schreit das Kind andauernd. Die Geburt selbst erfolgt im Busch. Hebammen giebt es nicht, obgleich auch hier Zauberei ausgeübt wird. Die Mutter bleibt eine Woche nach der Geburt im Hause, während des ersten Monats darf die Frau mit den Nahrungsmitteln nicht in Be ­ rührung kommen, für sich selbst darf sie nicht kochen und muss die für sie bereiteten Speisen mit einem spitzen Stäbchen zum Munde führen. Eine eigentliche Mädchenweihe besteht nicht, nur wird bei Beginn der Mann ­ barkeit die Tätowierung der Mädchen vervollständigt. Gewöhnlich lebt in jedem Dorf oder in einer jeden Landschaft eine Frau, von der man glaubt, dass sie Liebeszauber besitzt, Sterilität verursachen kann u. s. w. G. Thilenius-Breslau.