294 B. Referate. Ethnologie. 327. Hans Virchow: Das Skelett eines-verkrüppelten Chinesinnen- Fusses. Zeitschrift f. Ethnologie, 1903. Bd. XXXV, Heft 2, S. 266—316, 5 Taf. Folgende 6 Arten der Formveränd erung werden durch die bekannte Manipulation bewirkt: 1. allgemeine ungleichmässige trophische Mikroplasie, infolge gestörter Ernährung; 2. partielle funktionelle Mikroplasie, besonders der Mittelfussknochen und des ersten Gliedes der 4. Zehe, die messerartig abgeplattet werden (= „Platymetatarsie“, analog Platyknemie gebildet); nur die zur Gelenkbildung dienenden Knochenabschnitte werden geschont; 3. lokale Atrophie, und zwar Druckatrophie (an den Köpfchen von Metat. IV u. V., Proc. post, calc., Cuneif. II und III, und den aneinanderstossenden Teilen von Würfel- und Fersenbein) und Atrophie durch Nichtgebrauch; 4. Ver ­ biegung (der Mittelfussknochen und des Calcaneus); 5. Verquetschung (an der Rückseite des Calcaneus) und 6. Verödung von Gelenkabschnitten, be ­ sonders deutlich an der Verbindung yon Metat. IV u. V mit dem Cuboides, aber überhaupt an der Mehrzahl der Gelenke vorhanden, bestehend in Uneben ­ heiten an den sonst zur Gelenkbildung dienenden Knochenilächen, sodass nun ein Spalt zwischen ihnen klafft. Sämtliche Knochen sind in natür ­ licher Grösse abgebildet, die Zeichnungen sind durch Nachziehen der Umrisse an Photographien gewonnen, die dann wieder ausgewaschen werden. Eine genaue Beschreibung jedes einzelnen Knochens sowie ausführliche Würdigung der Litteratur ist angeschlossen. p Bartels-Berlin. 328. E. Thurstoii: Anthropology. Bulletin of tlie Madras Govern ­ ment Museum. Vol. IV, No. 3. Madras 1903. (S. 222.) In den Mitteilungen des Madraser Regierungsmuseums werden einige Hochzeitsgebräuche besprochen, wie sie im südlichen Indien üblich sind. Eigenartig sind die Ceremonien, wenn ein Mann bereits die dritte Frau heiratet; da eine solche Hochzeit von übler Vorbedeutung ist, heiratet der Mann vorerst symbolisch nicht die Braut, sondern eine Pflanze, und so wird die dritte Heirat zu einer vierten gestempelt. Manche Hochzeitsgebräuche weisen darauf hin, dass es früher Raubehen, d. h. Mädchenraub gegeben haben müsse. Ein anderer Artikel enthielt eine genaue Beschreibung der im südlichen Indien gebräuchlichen Verstümmelungen des menschlichen Körpers, welche ihren Ausgangspunkt teils in abergläubigen Ansichten, teils in hygienischen Motiven, teils in Modetorheiten besitzen. In einem anderen Abschnitte werden die ziemlich tiefstehenden Stämme der Uralis, Sholagas und Irulas beschrieben. Ferner wird über einen Feuergang oder Feuertanz in Gaujam, sowie über die körperliche Strafe in den einheimischen Schulen berichtet, von welchen letzteren die Mehrzahl wahrlich ganz und gar un ­ menschlich ist. j)r. Oskar v. Hovorka-Wien.