B. Referate. Ethnologie. 291 19’ ßichtstyp“, dem auch die Esten zeigen, wird bedingt: 1. durch beträchtliche Breite des Mittelgesichts bezw. der Jochbeingegend; 2. durch starke Ent ­ wickelung der Wangenbeine; 3. durch abs. und rel. kleine Längsdimensionen des Gesichts; 4. durch starke Entwickelung und seitliche Ausladung der weit von einander abstehenden Unterkieferwinkel. Die Haut ist schwach pigmentiert, die Iris hell (hellgrau bis bläulichgrau), das Haar hellblond, der Wuchs ist hoch. Das Becken, spez. das Geburtsbecken, zeigt eine sehr geringe Neigung (33°); damit im Zusammenhänge stehen 2 charakteristische Eigentümlichkeiten des äusseren Körperhabitus der Estin: geringes Nach- hintenragen der Gesässgegend und wenig oder garnicht von den Schenkeln gedeckte Lage der äusseren Geschlechtsteile. Die Durchmesser des Ç Beckens sind im Vergleich zum germanischen bedeutende (leider fehlen hier genauere Angaben); nur der Querdurchmesser ist kleiner als beim Becken der deutschen Frau. Die Variationsstatistik der Esten ist noch lückenhaft. Von dem Processus frontalis des Schläfenbeins wird angegeben, dass er in 3% der vorliegenden Fälle vorhanden sei. Künstliche Umgestaltung von Teilen des Körpers, spez. des Kopfes, kommt nicht vor, Tättowierung ist sehr selten. In dem Kapitel: „Vergleichend anthropologisches“ kommt Verf. zu dem Schluss, dass der sog. ugrofinnische Rassentyp aus mehreren distinkten anthropologischen Typen zusammengesetzt ist, sodass der ethnographisch be ­ gründete Sammelbegriff der Ugro-Finnen bezw. Ural-Altaier nicht gestützt werden kann. Doch erscheint die Annahme einer ursprünglichen Einheit ­ lichkeit der Finno-Ugrier nicht ohne weiteres ausgeschlossen, sogar nicht unwahrscheinlich, und damit entstehen eine Reihe weiterer Fragen, deren Lösung der Zukunft Vorbehalten bleibt. Entsprechend der Überzeugung des Verf. von der Wichtigkeit der Prähistorie und der Linguistik für eine solche Lösung sind auch diese Gebiete, sowie das Seelenleben der Esten in besonderen Kapiteln behandelt. p. Bartels-Berlin. 323. Bertholon: L’Année anthropologique Nord-Africaine. Revue Tunisienne, 1902, S. 318—335. — Sonderabdruck Tunis, Imprim. Rapide. Unter dem am Eingänge erwähnten Titel beabsichtigt der bekannte Verfasser alljährlich einen zusammenfassenden Überblick über die Fortschritte auf dem Gebiete der Anthropologie Nordafrikas zu geben, im besonderen des Berbérie genannten Himmelsstriches, aber mit Einschluss der angrenzenden Gebiete, selbst Ägyptens und der mittelländischen Inseln, sofern die Arbeiten für die Geschichte des Ursprunges der Berber von Bedeutung sind. Diese Zusammenstellung soll sich auf 1. die Prähistorie (jedoch mit Ausschluss der Dolmen, Menhir, Tumuli, da diese jüngeren Datums sind), 2. die Kranio- logie, 3. die Ethnologie und Sociologie und 4. die Demographie erstrecken. Der vorliegende erste Bericht bringt die Litteratur über die Jahre 1901