B. Referate. Ethnologie. 287 griff „Arier“ könnte etwas schärfer Umrissen, „Rassen“ und „Yölker“ dürften strenger auseinander gehalten sein. Überzeugt, dass „nur ein Teil, eine Gegend des europäischen Festlandes“ die langgesuchte „Urheimat“ sein könne, unterzieht De Michelis die verschiedenen europäischen Theorien, unter denen er der skandinavischen, um die sich eigentlich in neuerer Zeit „der ganze Streit gedreht“ habe, den „Ehrenplatz“ zugesteht, einer eingehenden Vergleichung und Prüfung. Aber keine findet Gnade vor seinen Augen. Die von der „nordischen Schule“ aufgestellte skandinavische Lehre sucht er durch Einwendungen zu entkräften, die ich längst anderwärts als unberechtigt zurückgewiesen habe und daher hier übergehen kann. Was aber, das ist die Hauptsache, hat der italienische Verfasser an ihre Stelle zu setzen? Die arische Sprache und Gesittung haben sich nicht im Schosse einer reinen Rasse entwickelt, sondern das „Urvolk“ ist während der neueren Steinzeit in den Donauländern aus einer Vermischung der ureuropäischen Rassen mit asiatischen Rundköpfen, denen sogar die Hauptrolle zugeschrieben wird, hervorgegangen. Selbsverstäudlicli glaubt der Verfasser, dass diese Hypo ­ these „allen Bedingungen, die wir für die Entstehung der arischen Völker ­ sippe voraussetzen müssen“, entspreche; aber allein die Thatsache, dass es arische Völker von reiner oder doch fast reiner Rasse gab und trotz dem ins Ungeheure gesteigerten Weltverkehr an geschützten Orten noch heute giebt, bringt sie zu Fall. Ausserdem haben die keltischen und germanischen Völkerwanderungen, die ja grösstenteils in die geschichtliche Zeit fallen, eine dieser Annahme gerade entgegengesetzte Richtung. Dass einige in den letzten Jahren erschienenen wichtigen Werke, so besonders die m. E. aus ­ schlaggebende Anthropologin suecica nicht mehr berücksichtigt werden konnten, wird man zwar bedauern, aber entschuldigen. Mit der vorsichtigen Zurückhaltung des wahren Forschers giebt der Verfasser am Schlüsse be ­ scheiden zu, dass seine Meinung „nur einen relativen Wert“ hat und dass er sie von Grund aus umgestalten würde, wenn neue Thatsachen sie als unzutreffend und unhaltbar erwiesen“ hätten. Nach meiner Auffassung sind genug solcher Thatsachen bekannt. Ludwig Wilser-Heidelberg. 318: Thomas H. Bryce: Note on prehistoric human remains found in the Island of Arran. Journal of the Anthropol. Institute of Great Britain andlreland, 1902. Vol. XXXII, S. 398—406. Auf der kleinen, Irland benachbarten Insel Arran ebenso wie auf der nahen Halbinsel Kintyre kommen zwei Kulturformen vor. Die ältere ist durch geteilte negalithische Kammern mit mehrfacher Bestattung ausge ­ zeichnet, ohne Durchgang, aber vielleicht mit einem Portal. Ebenso alt sind negalithische Cisten in grossen Cairns. Das Gerät besteht nur aus Stein, die Erzeugnisse der Töpferei sind stets mit rundem Boden versehen, und entweder kleine Schalen mit Handgriffen oder Gefässe mit scharf abge-