274 В. Referate. Anthropologie. 303. Otto Walkhoff: Die diluvialen menschlichen Kiefer Belgiens und ihre pithekoiden Eigenschaften. Selenkas Menschen ­ affen, 1903. Liefe. Yl, S. 373—407, 24 Abb. Wiesbaden, C. W. Kreidel. Untersucht wurden die Kieferreste топ La Naulette, Spy und Goyet, welche wieder in dankenswerter Weise genau beschrieben und mit Hilfe der Photographie (zum ersten Male) naturgetreu abgebildet werden. Der Kiefer топ La Naulette wird mit dem Schipka-Kiefer verglichen, indem auf die von Yirchow namhaft gemachten Unterschiede beider von einander eingegangen und diese Differenzen als Altersverschiedenheiten (Erwachsener und zehnjähriges Kind) erklärt werden. Die innere Struktur ist, wie mit Radiographie nachgewiesen wird, bei beiden die gleiche. Ein Trajektorium des Genioglossus fehlt wie dem Schipkakiefer, so auch dem von La Naulette; hieraus schliesst W. auch wieder auf das Fehlen einer artikulierten Sprache in grösserem Umfange. Die Zähne sollen, nach X-Aufnahmen zu schliessen, die die Alveolen sichtbar machen, beträchtlich, wenn auch nicht ausserge- wöhnlich gross gewesen sein; dass der von Yirchow und Pruner-Bey erwähnte nachträglich in der Höhle von La Naulette gefundene sehr kleine Eckzabn zum Unterkiefer gehört habe, konnte W. in Brüssel nicht ermitteln. Unter den angeführten pithekoiden Eigenschaften des Kiefers von La Naulette sind die wichtigsten das Fehlen eines Kinnes, und das Fehlen eines Trajek- toriums der Zungenmuskeln. Die Kieferreste des Spy-Menschen bestehen aus einem ganzen Unterkiefer (ohne eigentliche Kinnbildung und ohne Genio- glossus-Spina) mit sämtlichen Zähnen (die Molaren werden nach hinten zu grösser), sowie einem Teil des zugehörigen rechten Oberkiefers; es ist ein stärkeres Trajektorium des Genioglossus vorhanden; beim Schädel Spy II ist vom Unterkiefer nur ein Stück der rechten Seite mit den 3 Molaren und den beiden Prämolaren, ferner ein Stück der linken Seite mit den drei Molaren und dem zweiten Prämolaren erhalten, ferner vom Oberkiefer fast sämtliche Zähne. Yon den Molaren sind gleichfalls die letzten die grössten. Letztere Hessen sich noch zu einem Zahnbogen zusammenstellen, der eine sehr starke Prognathie des Oberkiefers ahnen lassen soll. Auf die Wieder ­ gabe aller Eigenschaften der Kiefer und der Zähne, die W. für primitiv hält, muss hier leider verzichtet werden. Es werden dann (geologisch) immer jüngere Kiefer beschrieben, der von Goyet („der Mensch des jüngeren Diluviums sprach schon mehr“) solche aus der Mammutzeit, eine Reihe belgischer und deutscher Kiefer der Renntierzeit, und es wird an ihnen die allmähliche Umwandlung der Kieferformen bis zur heutigen zu demonstrieren gesucht; diesem letzteren Teil sind aber leider keine Abbildungen (mit Aus ­ nahme solcher des Kiefers von Goyet) beigegeben, wodurch die Leichtigkeit des Yerständnisses leidet. P. Bartels-Berlin.