272 B. Referate. Anthropologie. besonderen, ja (in falscher Weise) aiisschliesslichen Wert den einzelnen zu ­ schrieben. Jeder Faktor für sich allein betrachtet, schafft seinen bestimmten „Schädeltypus“. Abgesehen von pathologischen Schädeltypen, zu welchen in gewissem Sinne auch die künstlich deformierten zu rechnen sind, giebt es zunächst individuelle, sexuelle und durch das Alter bedingte Schädel ­ typen. v. Török z. B. erkennt nur individuelle an, Rieger nur physiologische, eine weitere Form. Zu diesen gehören in gewissem Sinne auch die Ivultur- schädeltypen. Dem Einfluss der Rasse wird heutzutage zu wenig Gewicht beigelegt; freilich macht sich diese in sehr ungleicher Weise bemerkbar und nur wenn in hohem, ja extremen Grade vorhanden, ist der Schädel als Rassendiagnostikum zu verwerten. Freilich wird das Rassenhafte eines Schädels nicht durch die craniometrische, sondern die cranioscopische Methode Blumenbachs erkannt, der blosse Blick muss genügen. Um auf letzteren Faktor die Aufmerksamkeit zu lenken, wurde in der Überschrift absichtlich der Titel: „Schädeltypen und Rassenschädel“ gewählt. Ein späterer Auf ­ satz soll speziell auf Südamerika eingehen und die hier vorkommende „Poikilotypie“ der Schädeiformen behandeln. Selbstbericht. 301. Otto Walkhoff: Der Unterkiefer des Anthropomorphen und des Menschen in seiner funktionellen Entwickelung und Gestalt. Selenkas Menschenaffen, 1902. Liefg. IV. S. 209 bis 322, 59 Abb. Wiesbaden, C. W. Kreidel. Verf. sucht an Hand der Vergleichung der allgemeinen Gestalt des menschlichen Unterkiefers mit solchen der Affen, speziell der Anthropo ­ morphen einerseits, andererseits durch Vergleich mit frühmenschlichen, wie Sehipka-, Pfedmost- und Krapina-Kiefer, die Entstehung der heutigen Form des menschlichen Unterkiefers zu studieren. Mit Hilfe der Röntgenphoto ­ graphie werden die entwickelungsmechanischen Ursachen untersucht, die diesen Veränderungen zu Grunde liegen können. Zahlreiche Photogramme, deren Reproduktion allerdings nicht immer sehr deutlich ist, lassen erkennen, dass die Spongiosa in gewissen Zügen angeordnet ist, die bestimmten Kraft ­ richtungen entsprechen, und es wird ausgeführt, dass der Unterkiefer der Anthropomorphen und des Menschen zwar aus ursprünglich durchaus gleichen Konstruktionselementen zusammengesetzt ist, welche jedoch funktionell sehr verschieden beansprucht werden und dadurch eine sehr verschiedene äussere Gestalt und innere Struktur erlangen. Für die wichtigste Differenz hält Verf. den altbekannten Unterschied in der Kinnbildung und er macht für diese mit Mortillet und Schaaffhausen die Muskeln der Sprache, spez. des Genioglossus, verantwortlich, indem er zu zeigen sucht, wie bei den Anthropoiden ein wirkliches Trajektorium des Genioglossus noch fehlt, während die diluvialen Kiefer, entsprechend ihrer Reihenfolge in den geo ­ logischen Schichten, eine immer zunehmende Ausbildung desselben erkennen