B. Referate. Anthropologie. 271 vollzieht sich dieselbe zwar langsam, sie bedeutet aber für den Organismus eine Phase übermässiger Thätigkeit, an der alle Gewebe, jedoch in ver ­ schiedenem Grade teilnehmen. Besonders günstig wird das Muskelgewebe beeinflusst. Die Pubertät ist eingetreten, wenn die Schamhaare kräftig ent ­ wickelt und ausserdem geringelt sind, die Achselhaäre sprossen und die Stimme mutiert. Die beiden ersten Erscheinungen pflegen mit 15 Jahren 6 Monaten, die letztere bereits mit 14 Jahren 8 Monaten einzutreten; daher ist als Zeitpunkt der Pubertät das 15.—16. Lebensjahr (im Mittel 15 Jahr 2 Monat) anzunehmen. Um die gleiche Zeit erfährt der Halsumfang seine grösste Zunahme, nämlich um 8 Millimeter im Semester (von 15Va—lTVs Jahren im ganzen überhaupt 25 mm.), ebenso das Körpergewicht, nämlich 3124 gr im halben Jahre. Es tritt weiter eine Beschleunigung des Längenwachstums für den Hals, den Oberschenkel (Femur) und den Vorderarm (Radius) ein; für die übrigen Knochen macht sich indessen ein verlangsamtes Wachstum geltend, nachdem jedoch eine Periode beschleunigten Wachstums für sie vorausgegangen ist. Dagegen zeigt sich während der Pubertät eine be ­ deutende Zunahme des Rumpfes und der Gliedmaassen in ihrem Umfange (Dickenwachstum); eine Ausnahme hiervon machen nur der Brustumfang in Höhe der Brustwarzen, der kleinste Umfang des Vorderarmes und des Beines. Die Untersuchungen des Verfassers haben ferner dazu beigetragen, die Grenzen des Jünglingsalters (adolescence) oder wenigstens den Beginn des ­ selben genauer festzusetzen (Kap. 8). Es geht aus denselben hervor, dass dieser Termin nicht erst in die Zeit nach der Pubertät fällt, wie die alte Auffassung der Lebensalter will, sondern vielmehr in die Zeit vor dem Auf ­ treten der ersten Erscheinungen, welche die Pubertät charakterisieren. Im einzelnen auf die 129 Maasse des Körpers und seiner Teile näher einzugehen, ist hier nicht der Ort. Es sei verwiesen auf Kapitel 2 — 6 (S. 37—179) der verdienstvollen Studie Godins, die mit vollem Recht mit dem Prix Broca von Seiten der Pariser anthropologischen Gesellschaft ge ­ krönt worden ist. Buschan-Stettin. 300. Robert Lehmann-Nitsche: Tipos de cráneos y cráneos de razas. Kevista del Museo de La Plata, 1903. Bd. XI, S. 159—170. Verf. sucht in diesem Aufsatze nachzuweisen, dass man nicht schlecht ­ weg von einem „Schädeltypus“ im allgemeinen sprechen kann; es kommt vielmehr auf die verschiedenen Faktoren an, welche bei der Prägung der Schädelform mitwirken; diese müssen zunächst, analytisch, isoliert betrachtet werden, dann erst, gewissermassen synthetisch, können sie alle zusammen ­ genommen werden, um den „Schädeltypus“ im allgemeinen darzustellen. Es werden nun die verschiedenen Faktoren kurz durchgesprochen, ihr Einfluss auf die Gesamtschädelform beleuchtet, und Autoren herangezogen, welche