A. Originalarbeiten. 261 seits der Stuhl, auf welchem die Geschmückte von einigen Männern nach dem Hause ihres Zukünftigen getragen wird, ebensowohl als ein — Thron gedeutet werden. Denn unter einigen Völkern gehört es thatsächlich zu den Hochzeitszeremonien, dass die Braut auf einem Throne sitzt. So gebietet die Sitte der Georgier, dass die diadem ­ geschmückte Braut, auf einer Art von Thronsessel sitzend, die Be- grüssung ihres Bräutigams entgegennehme; 1 ) so sitzt die von Gold und Seide strotzende chinesische Braut auf einem Thronsessel. 1 2 ) Und an verschiedenen Orten geht man noch weiter. In Syrien 3 ) wie in mehreren Gegenden Westafrikas 4 ) erteilt man der Braut während der letzten Tage vor ihrer Vermählung den Titel „Königin“, dort mit einheimischem Worte Malaki, hier Quicumhe. II. War der magische Spiegel im Besitztum der Vorzeit? Von V. Jäkel. Als vor etwa zwei Jahrzehnten der japanische Physiker Mu- raoka entdeckte, es könne jeder metallene Spiegel „magisch“ ge ­ macht, d. h. in der Weise geschliffen werden, dass, wenn man das von dem Spiegel reflektierte Licht auf einer weissen Wand auftängt, ein mehr oder minder vergrössertes Bild derjenigen Figuren zum Vorschein kommt, die auf der Rückseite des Spiegels — wenn auch noch so zart, etwa mit einer Messerspitze — eingeprägt sind, schloss hieran Ernst Bötticher seine Hypothese, dass schon in fernster Urzeit der magische Spiegel in der priesterlichen Magie seine Ver ­ wendung gefunden haben möge. Bötticher vermochte sich dabei nur auf zwei Thatsachen zu berufen, erstlich auf das von Daniel erzählte Wunder des Menetekel und zweitens auf jene ägyptischen Metallspiegel, die als sogenannte Sonnenscheiben ein Attribut der ägyptischen Götter bildeten und deren Rückseiten zuweilen Hiero ­ glyphen trugen, jene Metallspiegel, die durch Öffnungen, welche im Tempeldache, teilweise versteckt, angebracht waren, vom Sonnen ­ lichte bestrahlt werden konnten. 5 ) 1) Hurtrel, La ferame. Paris 1887. S. 99. 2) v. Scliweiger-Lerchenfeld, Das Frauenleben der Erde. Wien 1881. S. 231. 3) Platz a. a. 0. II 386. 4) Bastian, Die deutsche Expedition an der Loangoküste. Jena 1874. S- 176 in Note. 5) E. Bötticher, Der magische Spiegel und seine Bedeutung für die Kunde der Vorzeit; s. Aus allen Weltteilen XIV 106.