236 B. Referate. Ethnologie. 268. W. Semayer: Beschreibender Katalog der ethnographischen Sammlung Ludwig Biros aus Deutsch-Neu-Guinea (Astrolabe- Bai). Mit 22 Tafeln und 245 Textabbildg. in 73 Figuren. Ethnograph. Sammlungen des Ung. Nationalmuseums, III. Budapest 1901. Das Werk bildet eine Fortsetzung des Berlinhafen behandelnden ersten Teiles (s. Centralbl. f. Anthrop. IY, S. 226). Die Anlage des Bandes ist so getroffen, dass der Beschreibung der Gegenstände möglichst Abbildungen der Typen beigegeben sind, ausserdem sind die Notizen des bekannten Sammlers derart verwertet, dass jedem Gegenstand die zugehörige Beobachtung oder Schilderung beigefügt ist. Der dadurch drohenden Zerreissung der Beobachtungen beugt die geschickte Zusammenfassung zu grösseren Gruppen vor, unter deren Überschrift zunächst eine Einleitung des Sammlers meist selbst folgt. Die grossen Gruppen des Kataloges sind folgende: Geographisch ­ ethnographische Skizze der Astrolabe-Bai; Beschreibung der Sammlung: a) Anthropologische Objekte, b) Ethnographische Objekte: 1. Bauart, 2. Schmuck und Kleidung, 3. alltägliche Gebrauchsgegenstände, 4. Spiel ­ zeug der Kinder, 5. Tanz, Musik, Religion. — Auf den reichen Inhalt des Kataloges kann hier natürlich nicht eingegangen werden. Zur Charakteristik aber genügt es auf zwei Beispiele hinzuweisen, welche genügend den hohen Wert der Arbeit erkennen lassen. Wir sind gewöhnt, die Verkäufer eines ethnographischen Gegenstandes auch für dessen Verfertiger zu halten und beurteilen danach das den Museen zugehende Material. Biro weist nun nach, dass es bei den Tamol Sitte ist, ihre Geräte, Waffen u. s. w. fort ­ während zu vertauschen und zu verkaufen. Ausserdem fertigt niemand Geräte zum eigenen Gebrauch, sondern nur zum Tausch an. Jeder Gegenstand hat seinen eigenen Anfertigungsort, der sich nicht nur auf ein Dorf, eine Familie oder einen Mann beschränken, sondern auch sehr weit von dem ­ jenigen entfernt liegen kann, an welchem das Stück gekauft wird. Zum Überfluss w r eiss der Verkäufer nun das Dorf anzugeben, w r o er den Gegen ­ stand seinerseits kaufte, das Dorf kann aber der erste oder soundsovielte Zwischenhändler sein. — Wenn die Feststellung einer so wichtigen, aber dem Museologen unauffindbaren Thatsache den Wert der langjährigen Thätigkeit Biros erkennen lässt, so gilt dies nicht minder von der Sorgfalt, w r elche auf die Ermittelung einzelner Dinge verwendet wurde. So gelangten in des Sammlers Hände verzierte Holzstäbchen, w r elche allgemein als Essgeräte aufgefasst und zumal von den ansässigen Weissen als solche bezeichnet wurden. Biro ermittelt schliesslich, dass sie Miniatur-Schwirrhölzer sind, welche als Liebeszauber den Männern von den Mädchen gegeben wurden. Der Katalog bringt daher nicht nur gut bestimmtes Material, sondern enthält auch eine Reihe von Gesichts ­ punkten, w r elche für spätere Sammler sowohl wie für die Sammlungen selbst und deren Leiter oder Bearbeiter von der grössten Bedeutung sind. G. Thilenins-Breslau.