226 B. Referate. Ethnologie. Zeichnungen (Skulpturen, Fresken, Kameen, Münzen etc.) versucht es U., ein klares Bild der Völker Indiens von der Einwanderung der Arier bis auf heutige Zeiten zu entwerfen. Die grösste Aufmerksamkeit unter der Masse des reichen Materiales verdienen die Fresken aus den unterirdischen Tempeln von Adjanta, welche J. Griffiths genau beschrieben und chromo ­ lithographisch abgebildet hat; Griffiths verlegt sie in das erste und zweite Jahrhundert n. Chr. Von der Bevölkerung Indiens zur Zeit der Ankunft der Arier nimmt U. an, dass sie aus drei Gruppen bestand: weissen Ariern, gelben Nagas und autochtenen Dasyus oder Dravidas; diese letzteren hatten eine mehr oder weniger dunkle Haut, jedoch ohne jede Beimischung von Negerblut, und bestanden aus verschiedenen Rassen. Von den sieben Hauptcharakteren des arischen Typus (hohe Gestalt, Dolichocephalie, weisse Haut, blondes Haar, blaue Augen, Leptoprosopie, Leptorrhinie) beginnen sich seit dem Momente des Wechselverkehres Indiens mit dem Westen einzelne von ihnen im Laufe der Zeiten abzuspalten; nur die blauen Augen scheinen .sich am längsten behauptet zu haben. Unter der kurzen Herrschaft der persischen Achaemeniden im Nordwesten Indiens unterschied sich der iranische Typus augenscheinlich von indischen vorzugsweise durch die Hautfarbe. Die Skulpturen von Gandhera, dessen Bewohner bereits Herodot be ­ kannt waren, weisen einen mit turanischen Elementen stark vermischten Hindutypus auf, in welchem Beziehungen zu einem sehr alten und proto- arischen Volke mit gelber Haut zu finden sind. Die Denkmäler von Sautchi und Bliarhut stammen von einem eingeborenen, dunkelgefärbten Volke, welches jedoch nichts Negroides in sich hat. Die Typen der indischen Miniaturen aus den drei letzten Jahrhunderten nähern sich fast vollkommen dem jetzigen Typus. Der heutige Hindutypus — und damit bestätigt U. vollkommen die schon vorher aufgestellte Einteilung noch E. Schmidt — setzt sich aus drei Hauptvarietäten zusammen, und zwar: a) hohe Gestalt, Dolichocephalie, Leptoprosopie, Leptorrhinie, helle Haut; b) niedrige Ge ­ stalt, Dolichocephalie, Platyprosopie, Mesorrhinie oder Platyrrhinie, stark nuancierte dunkle Haut; c) relativ hohe Gestalt, Leptoprosopie, Leptorrhinie; oft dunkel gefärbte Haut. Überdies giebt es noch eine sekundäre Varietät von hellfarbigen Platyrrhinen, welche jedoch wenig zahlreich ist. Dr. Oskar v. Hovorka-Wien. 258. Max Uhle: Types of culture in Peru. American Anthropologist. N. S. 1902. Vol. IV, S. 753 ff. Uhle weist darauf hin, dass ein richtiges Verständnis der höheren amerikanischen Kulturen in Amerika nur zu gewinnen ist, wenn man sie nicht als in ihrem Nebeneinander, Lokalstile geographisch getrennter Stämme, sondern jeden einzelnen in seinem Nacheinander, in seiner geschichtlichen