B. Referate. Ethnologie. 225 entwickhmg des Ober- und Mittelgesichts, wie ja in der Regel. Das Antlitz erscheint dabei bekanntlich meist flach, viereckig, bei den Tungusen häufig oval. Brachykephalie ist meist mit Langgesichtigkeit, selten mit Chamae- prosopie verbunden. In der Wangengegend sind Buräten und Tungusen besonders stark entwickelt; es tritt bei ihnen, besonders aber bei den Chal- chassen die Mandibularwinkelbreite gegenüber der Wangenbreite in auf ­ fallendem Grade zurück. Das Antlitz des Buräten und Tungusen erscheint deshalb im mittleren und oberen Teil hochgradig verbreitert, im Kiefer ­ gebiet verschmälert. Schiefäugigkeit ist ein auffallendes Charakteristikum der Chalchas und Buräten, gleichwie die Mongolenfalte, die mit zunehmendem Alter zurück ­ tritt. Nase klein, flach, niedrig, mit abgeplatteten Flügeln, das Gesichts ­ profil nicht überragend. Die Tungusen besitzen oft eine aufgeworfene Ober ­ lippe, seltener die Chalchas. Das mittelgrosse Ohr erscheint bei allen deutlich abstehend. In physiologischer Beziehung auffallend bei den in Rede stehenden Volksstämmen ist schliesslich das plötzliche, durch nichts angekündigte Hereinbrechen des Alters, obwohl der Körper verhältnismässig lange seine Frische und Spannkraft bewahrt. Damit im Zusammenhang steht das frühe Ausbleiben bezw. die Aufhellung der Iris, die nach Ansicht des Verf. nicht so sehr durch Veränderungen des Irispigmentes selbst be" dingt ist, als vielmehr durch Mattwerden der Cornea und frühzeitige senile Degeneration derselben, vor allem infolge des Einflusses von Sonnenbe ­ strahlung, Staub und Rauch, der früh zu Gewebsveränderungen im Gebiete der Cornea und Konjunktiva führt. Was die vorgeschichtlichen Verhältnisse aller dieser Völker betrifft, deren Heimat bekanntlich von manchen nach Süd-Transbaikalien verlegt wird, so gelangten besonders die Chalchas früh zu starker Entfaltung in der Nordmongolei; ihrem Stamm entspross ja auch der einst allmächtige Tschingis-Chan, dessen Dynastie durch IV2 Jahrhunderte die Völker Asiens (Turkos, Mongolen) und Osteuropas beherrschte. Als Transbaikalien von Russland annektiert w r ar, gelangten seit der Mitte des XVII. Jahrhunderts mehrere Mongolenstämme, vor allem viele Buräten, unter russische Bot- mässigkeit mit Beibehaltung einer gewissen, den Bedingungen der Steppe angepassten Autonomie, die ihnen seitdem gewahrt bleibt. Verf. hält sie alle für stark gemischt. Gemessen wurden insgesamt 641, ausschiesslich Ö Individuen. Die Abbildungen erscheinen recht charakteristisch. Dr. 11. Weinberg-Dorpat. 257. Ch. de Ufjalvy: Iconographie et anthropologie irano-indienne. L’Anthropologie, 1902. Nr. 4—6, 64 S. Unter Zuhilfenahme der wichtigsten sich heutzutage noch in Indien über die Bevölkerung dieses Landes vorfindenden Abbildungen und Auf- 15 Intern. Centralblatt für Anthropologie. 1903.