206 B. Referate. Ethnologie. Bibliographien. — Beachtenswert ist, dass in dem vorliegenden Bande die russische geographische Litteratur (bei gleichzeitiger Hinzufügung einer deutschen Übersetzung der Titel) durch M. Groll in Charlottenburg eine grosse Vervollständigung erfahren hat. Der Umfang des 8. Bandes ist der gleiche wie des vorausgehenden geblieben. Buschan-Stettin. 243. Rudolf Lenz: Über den Ursprung und die Entwickelung der Sprache. Die Neueren Sprachen. Zeitschrift f. den neu ­ sprachlichen Unterricht, herausgegeben von Wilhelm Victor. 1900—1901. Bd. VIII, S. 449—472, 513—534 u. 577—589. Bd. IX, S. 1—12. Der auf dem Gebiete der araukanischen und allgemeinen Sprach ­ forschung wohl bekannte Sprachforscher Rudolf Lenz hat die Gelegenheit benutzt, eine Besprechung des Buches vou Jespersen (Progress in Language with special reference to English, London 1894, Swan Sonnenschein & Co.) zu einer wirklichen Kritik desselben zu erweitern und mit Berücksichtigung des klassischen Werkes Georg von der Gabelenz (Die Sprachwissenschaft, ihre Aufgabe, Methoden und bisheriger Ergebnisse, Leipzig, Weigel 1891) seine eigenen Ideen über Ursprung und Entwickelung der Sprache daran anzuknüpfen. Der reiche Inhalt der Abhandlung kann kaum nur angedeutet werden; aber wer als Nicht-Fachmann auf linguistischem Gebiete auch nicht überall zu folgen vermag, wird doch für die allgemein-wissenschaftlichen Schlüsse dankbar sein, Schlüsse, die für die Gesamtanthropologie von höchster Wichtigkeit sind. Soweit es dem nicht speziell sprachlich geschulten Inter ­ essenten möglich, sei auf die offenbar wichtigsten Punkte teilweise in wörtlicher Wiedergabe eingegangen. Die bekannte Einteilung der Sprachen in isolierende, agglutinierende und flektierende sollte nach Schleicher den Gang der Entwickelung aller Sprachen darstellen, abgeschlossen in der vorgeschichtlichen Zeit des Menschen ­ geschlechts, da die Sprachen innerhalb des Beobachtungszeitraumes, also in geschichtlicher Zeit, kein Werden mehr, sondern nur ein Vergehen, Altern, Verfallen, Auflösen zeigen. Letzteres ist indess nur eine Unvorsichtigkeit beim Ausdruck; statt von morphologischer Analyse und phonetischem Zerfall zu reden, sprach man allgemein vom Verfall der Sprachen. Was das Erlernen der Muttersprache von Seiten des Kindes anbelangt, so kommt Lenz zu dem Resultat, dass dies von dem Kinde grössere oder geringere Anstrengung verlangt, je nachdem die Sprache phonetisch und morphologisch einfach oder kompliziert ist, und dass eine angeborne Dis ­ position für die Sprache der Eltern durchaus nicht vorhanden ist. Das Verhältnis der Sprache zur allgemeinen Psychologie und zur absoluten Logik ist noch wenig aufgeklärt. Wie weit lässt sich die Logik einer bestimmten Sprache von den absoluten Denkgesetzen trennen ? Das