C. Kongressbericht. 191 — Ferner sind zu berücksichtigen die Mitteilungen über die Kobsaren (Banduristen) und Lyrniken (Leierspieler) d. h. über die wandernden Volksmusikanten. Um den anwesenden Fremden eine richtige Vorstellung von jenen jetzt allmählich aussterbenden Volkssängern zu geben, waren einige jener Leute veranlasst worden, mit ihren Instrumenten zu erscheinen, um zu spielen und zu singen. Kobsaren heissen die Leute, die auf der Kobsa spielen — die Kobsa ist ein 8 saitiges Instrument, eine Art Mando ­ line, auch Pandura genannt; Lyrniken heissen die Leute, die eine sog. Lyra spielen. Die Kunst dieser Wandermusiker stirbt allmählich aus. Früher spielten die Sänger und Spieler eine grosse Rolle im Volksleben (Sumzow: Bemerkungen über Kobsaren und Lyrniken im Gouvernement Charkow; Iwanov: Die Artelle der Blinden, ihre Organisation und ihre gegenwärtige Lage; Chodkewitsch: Einige Worte über die Panduristen). — Pokrowski sprach über die Goldschmiedekunst im Gouvernement Charkow und Wassi- lenko über Weberei in Poltawa; Babenko über Teppich-Weberei. — Eine Anzahl Vorträge hat einen historischen Inhalt: (Bagalei, Grün ­ dung der Stadt Charkow). Aus der 3. Sektion (Denkmäler der Kunst-Numismatik und Sphragistik) ist nichts zu erwähnen. In der 4. Sektion (Häusliches und öffentliches Leben, Rechts ­ gebräuche) sind auch nur solche Vorträge gehalten worden, die ausserhalb des hier uns interessierenden Gebietes liegen. In der 5. Sektion (Kirchliche Altertümer) macht N. J. Troitzki Mitteilungen über einen neu aufgedeckten christlichen Tempel im Taurischen Chersones. Uwarow hat vor 50 Jahren daselbst die ersten Ausgrabungen vorgenommen und sich energisch bemüht, dem durch unkundiges Graben ge ­ machten Schäden zu steuern. Seit Uwanows Bemühungen wurden in Charkow die Ausgrabungen methodisch fortgesetzt. Im Laufe der letzten Jahre wurde eine grossartige Nekropole und das Fundament eines Tempels mit doppelter Mauer aufgedeckt. Wahrscheinlich war der erste Tempel eingestürtzt und es wurde ein zweiter aufgebaut. Ein anderer Tempel hat die Gestalt eines Kreuzes mit gleichen Armen; er ist auf Grabgewölben — Katakomben — errichtet, die durch verzweigte Gänge mit einander in Verbindung stehen; hier sind Goldmünzen, Krüge, Lanzen gefunden worden. Der Fussboden des Tempels ist bedeckt mit einem schönen Mosaik aus gelbem, rotem, schwarzem und weissem Marmor. Auf Grund der gefundenen Münzen kann man schliessen, dass der Bau im V., vielleicht am Ende des IV. Jahr ­ hunderts ausgetührt worden ist. Auch Fresken mit griechischen und grusi ­ nischen Inschriften haben sich erhalten. Aus der 6. Sektion (Altertümer der Schrift und Sprache) seien genannt: ein Vortrag von Simonik über den Kammer- und Hof-Gus- Ksten Trutowski. Gusli ist ein Saiten-Instrument, eine Art liegende Harfe.