164 B. Referate. Ethnologie. 1. Anzeige von Zeitschriften, Bibliographie etc. II. Linguistik. III. Slavische Literaturgeschichte bis zur Hälfte des XIX. Jahrhunderts. IX. Ethnologie (allgemeine und einzelner slavischer Völker). V. Altertümer. VI. Baltische Philologie. Der von Prof. Dr. Niederle redigierte V. Teil (Atertümer) enthält Anzeigen von 1. Zeitschriften und Schriften allgemeinen Charakters. 2. Schriften über die ethnologische Entwicklung und die Anfänge der Ge ­ schichte der Slaven. 3. Archäologische Funde und 4. Arbeiten, die sich auf die altslavische Kultur beziehen. Obzwar die wichtigen Erscheinungen auf den betreffenden Gebieten auch in anderen Zeitschriften und Arbeiten (z. B. Jagics Archiv für slav. Philol.) Berücksichtigung finden, entbehrte doch die Slavistik als Gesamt ­ wissenschaft bisher eines einheitlichen, bibliographischen Organes. Aber nicht bloss von diesem Standpunkte aus, sondern auch wegen der gewissenhaften Durchführung hat dieses Unternehmen für das Studium der Sprache, Urge ­ schichte, Entwicklung und Kulturgeschichte der Slaven eine grosse Bedeutung, die auch schon dadurch anerkannt wurde, dass die Publikation mit Unter ­ stützung der Kais. Akademie der Wissenschaften in Peterburg, der böhin. Akademie der Wissenschaften in Prag und des k. k. Unterrichtsministeriums, in Wien erscheint. Dr. JET. Mat iegka-Prag. 190- Eduard Boguslawski: Methode und Hilfsmittel der Erforschung der vorhistorischen Zeit in der Vergangenheit der Slaven. Vom Verfasser vermehrte deutsche Ausgabe. Aus dem Polnischen übersetzt von Waldemar Osterloif. Berlin, Hermann Costenoble, 1902. Unter dem anspruchsvollen Titel verbirgt sich eine Streitschrift gegen die „berliner-österreichische Schule“ (!), die sich gegen das vom Verfasser schon in seiner „Geschichte der Slaven“ behauptete Urslaventum in Mittel ­ europa ablehnend verhält. Seine Beweisführung ist ein zitatengespickter Galimathias von sprachwissenschaftlichen, historischen und archäologischen Hypothesen, die mit ebensoviel Selbstbewusstsein wie Mangel an Kritik und Sachkenntnis als unumstössliche Thatsachen verkündet werden. Ein näheres Eingehen auf den Inhalt wäre Raumverschwendung. Für den sprach ­ lichen und ethnographischen Teil sei auf die gründliche Besprechung im Globus (Bd. LXXXII, Nr. 15, S. 239 ff.) verwiesen. Für den archäologischen Teil begnüge ich mich mit einigen Anführungen. Dass die Schläfenringe ein Kennzeichen slavischer Bevölkerung sei, bestreitet B. (S. 55): „Die Slaven trugen nie einen solchen sonderbaren Kopfputz“. Er verschweigt aber, wie das typische Vorkommen der Schläfenringe in rein slavischen Gegenden anders zu erklären und in Einklang mit seiner eigenen Theorie zu bringen ist. Die Runenschrift ist eine Erfindung der Wenden (S. 58). Ebenso haben diese die Hallstattkultur und die „lausitzer-schlesische“ Kultur