162 B. Referate. Ethnologie. wandt und benachbart mit der Bevölkerung der Terramaren Italiens (Wenden- Veneter). Sie waren wie die Südslaven brachykepkal und von dunkler Haut ­ farbe. Infolge des Bernsteinhandels verbreiteten sich die Slaven nach Norden (etw'a 800 v. Chr.), überstiegen die Karpathen und dehnten sich an der Oder und Weichsel bis ans baltische Meer aus. Hier führten sie die bisher unbekannte Leichenverbrennung ein, ferner die Bekanntschaft mit Metallen und Glas; doch wurde Eisen nur zu Schmuckgeräten verwendet. Im Norden der Karpathen hatten die Eingewanderten ein neolithisches \olk von heller Hautfarbe vorgefunden, das sie beim Vordringen nach Südosten (bis in die Gegend von Kiew) teilweise absorbierten; die Finnen wurden von ihnen nach Osten gedrängt. Um Chr. Geburt drangen aus Skandinavien die Ger ­ manen ein, welche den allgemeinen Gebrauch des Eisens zu Werkzeugen und Waffen einführten. Erst um 500 zogen Slaven auch in das nordöstliche Russland; vorher ist von ihnen hier keine Spur vorhanden. In gewissem Sinne werden diese Ergebnisse durch die Forschungen von Talko-Hryncewicz unterstützt. Auch dieser ist geneigt, die alten Slaven für Brachykephalen mit dunklen Haaren zu halten. Hie Dolicho- kephalen in altslavischen Gräbern hält er auch für fremde Elemente, und zwar denkt er auch an ältere Bewohner, welche von den Slaven unterworfen worden wären. Für den Ausgangspunkt der brachykephalen Slaven hält er die Karpathengegend (Tatragebiet, Galizien), wo noch heute die Kurzköpfigkeit besonders prägnant hervortritt. Die von hier nach West und Ost ausgehende Bevölkerung hält er für eine kriegerische und ritterliche, welche die schwächeren langköpfigen Ureinwohner unterwarf und assimilierte. Damit steht die von Talko-Hryncewicz aber früher festgestellte Thatsache in Übereinstimmung, dass der polnische Adel sich von dem übrigen Volke durch höheren Wuchs und bedeutendere Kurzköpfigkeit auszeichnete. Nur hat er diese Erscheinung- früher anders erklärt (verschiedene Lebensstellung; vergl. Globus, Bd. 74, 394). Bemerkt sei noch, dass diese Ausführungen von Talko-Hryncewicz sich gegen Niederles bekannte czechisclie Arbeiten und die durch dieselben veranlassten Ausführungen von Potkanski (0 pochodzenin Slowian“ im Kwart. Hist., Lemberg 1902) wenden. Nach Niederle waren die Slaven bekanntlich ur ­ sprünglich langköpfig und nahmen zufolge der Verhältnisse des Klimas und der Lebensweise erst kurzköpfigen Typus an. Auch Potkanski nimmt für die Slaven ursprünglich Langköpfigkeit in Anspruch und verwirft daher auch die Beweisführungen, welche sich auf die Annahme ursprünglicher Kurz ­ köpfigkeit der Slaven stützt. Er sieht daher auch gerade die von Talko- Hryncewicz als reinen slavischen Typus aufgefassten Bewohner Galiziens nicht als solche an. Majewski hat schon im J. 1899 (vergl. Slavozytni Slowianie na ziemiack dziesiejrzej Germanii, Warschau) seine Ansicht dahin dargelegt, dass Mittel ­ europa nur von Slaven und Kelten bewohnt war, die Germanen erst aus