154 B. Referate. Ethnologie. Die Untersuchung des Rauminhaltes in Yergleichung mit dem Längen-Höhenindex lieferte bei Bolk keine deutlichen Ergebnisse, und seine Erklärung (S. 176 ff.) klingt durchaus annehmbar. Der Wert der Bolkschen Arbeit liegt nicht sowohl in den Ergebnissen, die sie enthält, als in den mannigfachen Anregungen, die sie giebt, und in der Berichtigung mancher Irrtümer über anthropologische Grundbegriffe. In dieser Hinsicht bleibt noch manches zu thun übrig. Otto Ammon-Karlsruhe. 178. A. Waldenburg: Das isocephale blonde Rassenelement unter Halligfriesen und jüdischen Taubstummen. Berlin, S. Calvary & Co., 1902. 46 S. — Mk. 2. Verf. hat drei Gruppen von Juden cepbalometrisch und genealogisch untersucht: I. sämtliche 41 Taubstumme der Anstalt Weissensee, aus ganz Deutschland dort vereinigt (IT) und von 17 von diesen die 52 vollsinnigen Anverwandten (IA). II. 34 J. aus einem kleinen isolierten Inzuchtherd Norddeutschlands, die wenig Taubstumme, indes viele Nervenkranke auf ­ weisen. III. 24 aus körperlich und intellektuell hochbegabten Berliner Eamilien, vollkommen frei von Taubheit und Taubstummheit. Er findet Dolichocephalie, die in Gruppe II mit 14,7 %, in III mit 12,5 °/ 0 auftritt, unter IA 3,8 %, unter IT 2,4%. Die Mesocephalen halten sich einiger- maassen in IA, II und III die Wage (23,1—29,4°/ 0 ), während IT nur 14,3°/ 0 Mesocephalen aufweist. Die einfache Brachycephalie (82—86,9 Index) zeigt in allen 4 Gruppen annähernd gleiche Werte (42,3—50,0 °/ 0 ). Aber nun beginnt die wichtige Abweichung: Hyperbrachycephalie (87—91,9) bei TI und III in 8,8°/ 0 bezw. 8,3°/ 0 gegen 28,9°/ 0 bei IA und 28,6°/ 0 bei IT; Isocephalie (92 —100) bei II und III 0 °/ 0 ; bei IA in 1,9 °/ 0 und IT in 9,5%. Diese Zahlen besagen, dass die extremen Grade der Brachycephalie ein Vorrecht der taubstummen Juden und deren Verwandten sind. Diese isocephalen Taubstummen waren sämtlich blond. Um die Bedeutung dieser Eigenschaften zu messen, suchte Verf. zum Vergleich mit der jüdischen eine andere Rasse, er dachte dieselbe in der bisher als reingermanisch geltenden Rasse Nordfrieslands zu finden, und zwar auf den Halliginseln, Osterland-Föhr, Westerland-Föhr und Amrum. Aber er fand dort, ähnlich wie Virchow in Ostfriesland, nicht den blonden dolichocephalen Germanen ­ typus; im Gegenteil, auf den Halligen fand er denselben garnicht, auf Föhr nur 3% Langschädel und überdies mit braunem Haar. Für die Halligen ergaben sich folgende Prozentsätze: Dolichoceph. 0%; Mesoceph. 12,33%; Brachyceph. 45,20%; Hyperbrachyceph. 35,62%; Isoceph. 6,85%; dabei zeigte sich in jeder Halligfamilie mindestens einer der extrem Brachycephalen. In Nieblum auf Föhr waren unter 70 Kindern Dolichoceph. 3,0%; Meso ­ ceph. 23,9%; Brachyceph. 32,8%; Hyperbrachyceph. 26,9%; Isoceph. 13,4%. Diese nordfriesische Bevölkerung zeigte sich nun auf Grund der