144 B. Referate. Anthropologie. 164. L. Manouvrier: Considérations sur l’hypermégalie cérébrale et description d’un encéphale de 1935 grs. Revue de l’École d’Anthropol. de Paris, 1902. Aimée XII, S. 391—444. Verf. behandelt das Gehirn des Notars Bouny, den Broca wegen dessen ausserordentlich voluminösen Schädels bestimmt hatte, sein Gehirn dem anthropologischen Laboratorium zu vermachen. Yerf. zeigt zuerst, dass Mangel an Berühmtheit hohe Intelligenz nicht ausschliesst, sondern dass Berühmtheit von zahlreichen äusseren Umständen abhängt. Bouny galt in Verwandten- und Freundeskreisen als ausserordentlich intelligent; besonders war sein Gedächtnis geradezu erstaunlich. Pathologischer Riesenwuchs und Degeneration des Gehirns werden für den vorliegenden Fall zurückgewiesen. B. war von kräftigem Körperbau und hatte eine Körperlänge von 175 cm. Das Gehirn hatte neben dem stattlichen Gewicht von 1935 g eine reiche Gliederung, besonders tiefe Furchen. Die sich anschliessenden sehr geist ­ reichen Ausführungen des Yerf., die schliesslich in dem alten Satz gipfeln, dass von 2 gleichgrossen Individuen derselben Rasse derjenige mit grösserem Hirngewicht auch die grössere Intelligenz hat, werden so lange hypothetisch bleiben müssen, bis man erstens durch Flächen- und Volumenmessung der einzelnen Hirnteile die relative Zunahme der beiden Substanzen und be ­ stimmter Provinzen, zweitens mikroskopisch die Zunahme bestimmter Ele ­ mente (Zellen, Fasern, Stützsubstanz) festsetzen kann, und drittens bei Leb ­ zeiten exakte psychologische Analyse des Individuums gemacht hat, um die Übereinstimmung psychologischer und anatomischer Befunde wirklich kon ­ statieren zu können. Wie schwer oder schier unmöglich diese Bedingungen heute mit den Hülfsmitteln, welche die Gehirnphysiologie und die Psycho ­ logie an der Hand geben, zu erfüllen sind, ist sich Ref. wohl bewusst, da er selbst bei einigen diesbezüglichen Versuchen zu keinem Resultat zu kommen vermochte. Dr. H. Laufer-Giessen. 165. E. A. Spitzka: Is the central fissure duplicated in the brain of Carlo Giacomini, anatomist? A note on a fissurai ano- maly. The Philadelphia Medical Journal, 1901, Aug. 24. Entgegen den Ausführungen Sperinos (Giorn. délia R. Accad. di Torino, 1900, p. 737—808), der an der rechten Hirnhälfte des Anatomen Giacomini eine doppelte Centralfurche und zwischen den beiden Central ­ furchen einen überzähligen Gyrus Kolandicus konstatierte, — eine Erscheinung, die um so bemerkenswerter wäre, als G. zuerst eine derartige Gehirnano ­ malie bei einem Imbecilen beschrieben hat —, zeigt Verf. klar und deutlich, dass Sperinos zweite Centralfurche nichts anderes ist, als ein ungewöhnlich langer Sulcus postcentralis (superior), der sich mit dem Sulcus subcentralis (postcentr. inf.) verbunden hat. Der Gyrus Rolandicus stellt deshalb nach