142 B. Referate. Anthropologie. Bewusstsein verbunden sind, als eine Vorstufe der menschlichen Medizin aufgefasst werden, wie z. B. die Hygiene der Defäkation bei der Katze, obwohl es sich vielleicht hier, wie bei den anderen Fleischfressern, eher darum handelt, ihre Spur den Feinden oder Beutetieren zu verheimlichen. Ein viel treffenderes Beispiel wäre das der Bienen gewesen, die es auch im Winter vermeiden, in der Bienenbehausung deu Kot abzulegen; wenn sie nicht anders können, so thun sie dieses doch immer an einem bestimmten Platz, der als Abort fungiert. Hie Bienen und die Ameisen haben übrigens eine sehr entwickelte Hygiene betreffs der Leichen ihrer Stammesgenossen oder fremder Tiere, die zufällig in ihrer Wohnung verendet sind. Verf. studiert vornehmlich die Abwehr der Parasiten bei den uns näherstehenden Vertebraten. Bei den Vögeln, Affen und Haustieren sind sie wohlbekannt. Es ist interessant zu erfahren, woher das Schwänzeln der Katze (wohl auch des Hundes) behufs Abwehr gegen die Mücken stammt. Es bedeutet nämlich, das Tier habe gar keine Sorgen, und beuge nur der Möglichkeit kleiner Störungen von Seite der Parasiten automatisch vor. Dagegen wird bei den Fehden das Unlustgefühl durch peitschende Bewegung des Schwanzes ausgedrückt, als ob ein hartnäckiger Parasit nicht weichen wolle. So haben wir es also mit einer ursprünglichen Abwehrbe ­ wegung zu thun, welche zur Pantomime geworden ist. Die gegenseitige antiparasitische Hülfe geschieht zwischen Tieren der ­ selben Art (Affen, Papageien) oder aus ganz entferntstehenden Gruppen: Bachstelzen oder Krähen fliegen auf den Rücken der Kühe und Schafe und bohren die Fliegenmaden aus ihrer Haut. Aber die ärztliche Hülfe ist noch viel zielbewusster, wenn es sich um das Verhältnis der Eltern und ihrer hülflosen Jungen handelt. Dasselbe ist bei den Vögeln leicht zu beob ­ achten. Es ist auch bemerkenswert, dass das junge Tier sozusagen eine medizinische Lehrzeit durchmacht, sodass es nach und nach sich von seinen Schmarotzern befreien lernt. Das Gleiche kann man beim Menschengeschlecht beobachten, wo die Kinder manchmal wahre Invasionen von Läusen und Flöhen dulden. Es ist einleuchtend, dass bei manchen heutigen Natur ­ völkern, und natürlich auch beim Urmenschen die Antiparasitologie weit hinter der vieler Tiere, und namentlich der Vögel zurücksteht, sodass auch in dieser Hinsicht keine Scheidewand an der Grenze von Tier und Mensch errichtet werden kann. In dieser, wie in jeder anderen Beziehung hat das menschliche Treiben und Denken seine tiefsten Wurzeln im Tierreich. Dr. L. Laloy-Bordecmx. 162. Neumann: Über die Häufigkeit des Stillens. Dtsche. medizin. Wochenschrift 1902, Nr. 44. N. weist gegenüber französischen Beobachtungen, nach denen der Rück ­ gang der natürlichen Säuglingsernährung höchstens in 1 / / 10 der Fälle in der