118 B. Referate. Urgeschichte. zu deren richtiger Anwendung eine räumlich möglichst umfassende Kenntnis der vorgeschichtlichen Kulturen und namentlich die denkbar strengste chrono ­ logische Sichtung des Stoffes. Indem K. diese Forderung zunächst für Nord- und Mitteldeutschland in peinlich genauer Weise erfüllt, gewinnt er für seine Untersuchung eine feste Grundlage, wie sie allen seinen Vorgängern und nicht zum wenigsten dem jüngst erschienenen Werke von M. Much über die Heimat der Indogermanen fehlt. K. geht von einer Reihe von Voraussetzungen aus, deren Rechtfertigung sich teils aus früheren Schriften des Verfassers, teils aus der Arbeit selbst ergiebt. Dazu gehört die Annahme der Urheimat der Germanen, als welche ihm die westlichen Küstenländer der Ostsee, sowie die angrenzenden Gebiete der Nordsee, also Südskandinavien, Dänemark und Nord Westdeutschland gelten, letzteres, soweit es megalithische Grabbauten oder eine diesen zu ­ kommende Keramik aufweist, d. h. östlich bis an die Odermündung, südlich bis zur Aller und der Magdeburger Gegend. Die Germanen sind gleichbe ­ deutend mit dem Stammvolk der Indogermanen, deren Ursitze also mit denen der Germanen zusammenfallen. Ein methodischer Leitsatz ist es ferner für ihn, dass die von Süden nach Norden eilenden Ausbreitungswellen einer Kultur im allgemeinen nur als Kulturmitteilungen, dagegen die umgekehrt von Norden nach Süden gerichteten Verpflanzungen zusammenhängender Kulturen für Ergebnisse von Völkerbewegungen zu halten sind. Vor allem betont er, dass nicht die einzelne Thatsache, sondern nur die Verbindung einer Reihe von Thatsachen, die anderwärts entweder so nicht wieder oder gerade genau so wiederkehrt, das entscheidende Moment der ethnologischen Sonderung oder Verbindung bildet. In den ersten Perioden der jüngeren Steinzeit weisen Nord- und Mittel ­ deutschland die grellsten Gegensätze auf: dort Megalithgräber und Tief- Ornamentik der Thongefässe; hier vorzugsweise Kistengräber in Hügeln nebst der Gruppe der Schnurkeramik, später Flachgräber und die ebenso reiche Gruppe der Bandkeramik. Hinsichtlich des chronologischen Ver ­ hältnisses dieser beiden keramischen Gruppen schliesst sich K. den An ­ schauungen Götzes an, obwohl er sie selbst ausserordentlich schwach be ­ gründet findet. In einem Nachtrage ist er denn auch genötigt, zu erklären, dass durch die inzwischen erfolgte Veröffentlichung Höfers über das Spitze Hoch beiLatdorf (Jahresschrift für die Vorgeschichte der sächsisch-thüringischen Länder, Bd. I, 39 ff., Halle 1902) die Priorität der Schnurkeramik end- giltig widerlegt sei. Es ist nicht zu leugnen, dass durch diesen Wechsel der Anschauung der die jüngere Steinzeit behandelnde Abschnitt in eine gewisse Verwirrung gerät, wenn auch der Kern seiner Ausführungen dadurch nicht berührt wird. Im Gegensatz zu Much tritt er mit Entschiedenheit für den südosteuropäischen Ursprung der Bandkeramik und demgemäss für den nicht-indogermanischen Charakter der durch sie repräsentierten Völker