114 B. Referate. Ethnologie. nicht zugleich alle anderen physischen Eigenschaften beeinflussen. Wenn man von den Lahuli die 15 am meisten kurzköpfigen heraussucht, sollte man erwarten, dass sie sich mehr dem tibetischen Typus annähern, also dass ihr Nasomalar-Index niederer sei, und dass sie mehr leptorhin und kleinwüchsiger seien. Dagegen ist ihr Nasomalar-Index etwas höher als das Mittel, ihr Nasenindex etwas niederer und ihre Körperhöhe ein wenig grösser. Die Unterschiede sind klein, und man kann sagen, dass sie in jeder anderen Hinsicht als der Längenbreitenindex völlig normal sind. Dagegen die 15 langköpfigsten Lahuli lehnen sich in jeder Hinsicht an den indischen Typus an, indem sie zugleich mehr proopisch, mehr platyrhin und grosswüchsiger sind, als das Mittel. Wenn man auf gleiche Weise die Messungen der Kulu analysiert, so sieht man, dass keiner von ihnen genügend tibetische Eigenschaften in sich vereinigt, um sich dem Mittel der Lahuli anzureihen, und dass die Kurzköpfigsten in anderer Hinsicht mehr indische Merkmale besitzen als das Mittel ihres Stammes. Sie sind also mehr proopisch, mehr platyrhin und hochwüchsiger. Wenn man von diesen Kurzköpfigsten diejenigen heraus ­ sucht, welche mehr platyopisch und leptorhin sind, so sieht man, dass sie grösser sind als ihre Landsleute. Diejeniden, welche hinsichtlich der Schädel-, Nasen- und Nasomalar-Indices mehr Neigung zum indischen Typus zeigen, sind zugleich kleiner als das Mittel. Verfassers Studien sind sehr dankenswert, denn sie eröffnen für die Anthropologie neue Bahnen. Wenn sie auf andere Rassen und auf grössere Individuenzahlen fortgesetzt werden, können sie auf die schwierigen Fragen der Erblichkeit und der Hybridität Licht werfen. Die sehr schönen photo ­ typischen Tafeln veranschaulichen die im Text geschilderten Unterschiede des Lahul und Kulutypus. Br. L. Laloy-Boräeaux. 130. E. Pittard: Contribution ä l’etude anthropologique des Tsiganes turcomans. L’Antliropologie, 1902. Bd. XIII, S. 477. In der Dobrudscha sind die turkmenischen Zigeuner ziemlich zahlreich; verschiedene Städte besitzen einen Vorort, der von ihnen allein bewohnt ist (Constanja und Manjaha). Ob dieselben anderer Herkunft sind als die rumänischen Zigeuner, oder ob sie einfach die Sprache, Religon und Sitten der muhammedanisehen Völker angenommen haben, unter denen sie gelebt haben, bleibt noch zweifelhaft. Falls die Zigeuner wirklich aus Indien stammen, kann man annehmen, dass Teile ihres Volkes sich auf ihrem Wanderzuge in Balutschistan, Afghanistan, West-Turkestan und Klein-Asien zersplittert haben. Vielleicht haben diese Stämme ihre Wanderung nach Westen fortgesetzt, nachdem sie sich mit der einheimischen Bevölkerung vermischt hatten; sie können auch einen Teil derselben mit sich geschleppt haben. In beiden Fällen würde ihre Rasse nicht mehr rein sein.