108 B. Referate. Ethnologie. Hinterhaupt, Abknickung der Unterschuppe, weder sehr breites noch sehr hohes Gesicht, Orthognathie — sind die wichtigsten Merkmale — neben diesen Punkten giebt Yerf. eine zwar etwas kleine, aber scharfe Abbildung eines typischen Schädels in den verschiedenen Normen, Tabellen der wichtigsten Maasse und Kurven (nach Sarasin). (Ref. geht auf Detail nicht näher ein, da volle Ausnutzung des im wesentlichen His bestätigenden reichen Materiales- doch nur nach dem Original geschehen kann.) Bezüglich der Yerbreitung des Disentis-Typus zeigt \erf., dass die brachycephalen Pfahlbau-Schädel der Schweiz nicht zu ihm gehören, wohl aber die meisten Walliser — ebenso ein Teil der Waadtländer-Schädel; für die bis jetzt untersuchten Schädel aus der Innerschweiz, ebenso für Tappeiners Tiroler-Schädel lässt sich eine Entscheidung bezgl. Zugehörigkeit nicht stellen, die brachycephalen Schädel Bayerns und Badens stehen ihm aber wohl nahe, sicher die aus den Beinhäusern des Eisass; Denikers 4. Rasse scheint sich auch damit zu decken. Ungemischt ist der Typus nirgends, am reinsten aber in Graubünden vorhanden. — Untersuchungen an Lebenden sind nur in ganz kleinem Maassstabe beigefügt; es scheint sich um eine dunkelhaarige, grau- oder braunäugige, mittelgrosse Bevölkerung zu handeln. Der ethnographische Teil giebt zunächst ein kurzes Wörterverzeichnis des vorderrheintalischen (in Disentis üblichen) Dialektes, neben dem ladi- nischen (beide = romanisch), dann Orts-, Flur-, Geschlechts- und Personen ­ namen, weiter Aufschlüsse über Bevölkerungszahl, Heiratsfrequenz und Alter; die Lebensweise wird kurz geschildert, Nahrung, Kleidung, Beschäftigung; es folgt eine Anzahl Abbildungen von Hauszeichen, deren in Disentis noch jede Familie eines hat, ebenso der Tierzeichen. Schliesslich werden Märchen, Sagen, Kinderreime, alte Sprüche und Gebete, Sprichwörter, Rätsel, aber ­ gläubische und volksmedizinische Mittel angeführt — von all diesem z. T. reichen Inhalt, der für Volkskunde etc. viel Interessantes bieten dürfte, kann Ref. nur kurze Erwähnung thun, da hier hauptsächlich der physisch-anthropo ­ logische Teil in Betracht kommt. E. Fischer-Freiburg i. B. 123. Hans Moos: Die Einzelhöfe in St Luzern. Forschungen auf dem Gebiet der Landwirtschaft. Festschrift zur Feier des 70. Geburtstages von Prof. Dr. Adolf Krämer. (Frauenfeld) 1903, S. 319—350. Mit 1 Karte und 8 Tafeln. Eine sehr verbreitete Meinung hält die Siedelung der Alamannen in Einzelhöfen als die diesem Germanenstamm eigentümliche, während ein Blick auf die ganz nur von Alamannen bewohnten Gebiete des Schwabenlandes typische Dorfanlagen erkennen lässt. Andere halten dafür, Einzelhof- und Dorfanlagen hängen zusammen mit der verschiedenen Gestaltung der Boden- nberfläche. Professor Moos zeigt, dass auch diese Ansicht unhaltbar ist. Meitzen meint, die Einzelhöfe seien keltischen, die Dörfer bei uns dagegen