88 B. Referate. Anthropologie. Ehen handelte es sich — wie immer — vorzugsweise um „interessante“ Fälle, sodass sich dieselben statistisch nicht verwenden Hessen. Um die Frage mit Aussicht auf Erfolg studieren und ihrer Lösung näher bringen zu können, ist es notwendig, die Grundlagen zu sichern, eine Beantwortung der nötigen Fragen in die Zählblätter der Krankenanstalten wie der statistischen Bureaux in erschöpfender Form zu sichern und auch eine wissenschaftliche Benutzung der standesamtlichen Register zu ermöglichen. Bis dahin ermangeln die Behauptungen der Nichtkonsanguinisten, wie dies auch Peipers Forschungen darthun, des strikten Beweises. Übrigens ist bei der Taubstummenfrage dem Yerf. die Arbeit von Huth „Consanguineous marriage and deaf-mutism, The Lancet, 1900, 10. Februar“ entgangen. Oberazt Dr. Kellner-Untergöltzsch. 107. P. Penta: Nuove anomalie degli arti nei delinquenti e nei normali. Riv. mens, di psicliiatria forense. (Napoli) 1901, Anno IY, S. 169—189. P. fasst die Resultate einer früheren Arbeit, die sich auf die Unter ­ suchung der Finger und Zehen von mehr als 4500 Sträflingen der italienischen Strafhäuser bezieht, zusammen. Er versucht die verschiedenen Formen ­ anomalien derselben auf mitogenetischem und phylogenetischem Wege zu analysieren, z. B. Oppositions- und Greiffähigkeit der grossen Zehe, Ver ­ minderung und Vermehrung der Zahl an Zehen, Syndaktylie, Brachydaktylie, Makrodaktylie, Polydaktylie etc. Indem er Vergleiche mit den fossilen Tieren anstellt, erklärt er für den Typus der menschlicheu Hand, sowie aller Säuge- und anderen Wirbeltiere nicht die Pentadaktylie, sondern die Heptadaktylie, welche Ansicht er auch durch Beispiele aus der Embryologie zu stützen versucht. Die Finger- und Zehenanomalien führt er nun auf die Reste jenes sechsten und siebenten Fingers, beziehungsweise Zehe zurück, und findet sie bei den Verbrechern unverhältnismässig häufig. Als Ursache dieser Formanomalien führt er die recenten hygienischen und socialen Ver ­ hältnisse, verschiedene chronische Intoxikationen (Alkoholismus), sowie eine krankhafte Vererbung der von ihnen betroffenen niederen Volksschichten an. Dr. O. Hovorka, Edl. v. Zderas-Wien. 108. Tancredi Bertini: II contorno faciale e sue anomalie negli epilettici, nei paranoici e negli idioti. Archivio di psichiatria. Vol. XXIII, S. 456-463. V. fand grössere Häufigkeit des pentagonalen Gesichtstypus bei den Epileptikern (unter 28 E. 35,7 °/ 0 ) gegenüber den Normalen (unter 100 N. 8°/ 0 ), der die Folge der stärkeren Entwicklung der Massetermuskeln und der grösseren Breite des Unterkiefers ist, wie sie Lombroso bei den Ver ­ brechern häufig beobachtet hat. Eine andere Anomalie fand V. in der soge ­ nannten Plagioprosopia peripherica. Diese ist charakterisiert durch Ver-