B. Referate. Anthropologie 81 ist, sondern geistig auf der Höhe steht, die man bei seiner Ausbildung und Umgebung voraussetzen kann) versucht Yerf. eine Einteilung dieser Er ­ scheinung. Er unterscheidet zunächst unproportionierte Zwerge, d. h. durch khachitis, Chondrodystrophie, kongenitale Knochendefekte und Kretinismus bedingte Zustände von Zwergwuchs und proportioniert gebaute Zwerge. Uhr die rassenweise auftretenden Zwergformen will Yerf. den Ausdruck Zwerg nicht angewendet wissen, da sie nicht pathologischen Ursprunges sind. Ui der Gruppe der proportionierten Zwerge glaubt Yerf. wiederum eine Ein ­ teilung in zwei verschiedene Formen machen zu dürfen; die eine ist dadurch gekennzeichnet, dass die Individuen in normaler Grösse geboren werden und Zu irgend einer Zeit zu wachsen aufhören (Nanosomia infantilis), die zweite beruht auf einer zu kleinen Anlage von Anfang an (Nanosomia primor ­ dialis). Zu dieser letzten Gruppe, für deren Entstehung Yerf. bereits Störungen im unbefruchteten Ei anzunehmen geneigt ist, rechnet der oben a ögeführte Fall. Interessant ist aus der Familiengeschichte des Dobos zu erfahren, dass er unter 12 Kindern normal gebauter Eltern als 5. der erste Zwerg gewesen ist und dass nach ihm noch 3 Zwerge derselben Art (zwar n icht hintereinander) geboren wurden, die ebenfalls bei der Geburt nach formaler Schwangerschaft der Mutter ungewöhnlich klein waren. Dr. Buschan-Stettin. 99. Richard v. Wettstein: Der Neo-Lamarckismus und seine Beziehungen zum Darwinismus. Jena, G. Fischer, 1903. v. Wettstein hat seinen in Karlsbad auf der 74. Versammlung deutscher N aturforscher und Ärzte gehaltenen Yortrag, mit Zusätzen und Anmerkungen ver ­ üben, besonders herausgegeben. Er vertritt die Gültigkeit der Lamarckistischen Anschauungen neben den Darwinistischen und ist überzeugt, dass direkte Anpassung und Selektion vielfach kombiniert die Neubildung von Formen bervorbringen. Wenigstens im Pflanzenreiche kommt bei der Erwerbung ^° n Anpassungsmerkmalen der direkten Anpassung sogar die Hauptrolle zu. Ur definiert die direkte Anpassung als die Fähigkeit der Individuen unter Gn jeweilig herrschenden Verhältnissen zweckmässige Veränderungen zu erfahren und die so erworbenen Eigentümlichkeiten zu vererben. Der Lamarckismus behauptet die Vererbung solcher Eigenschaften, die ^ Ur ch direkte Anpassung erworben sind, nicht von Eigenschaften schlechtweg, -ane A erstümmelung, eine Organisationsstörung irgend welcher Art ist keine bürch Anpassung erworbene Eigentümlichkeit, deshalb ist ihre Nichtver- A'barkeit kein Beweis gegen die Vererbung durch direkte Anpassung er- M'rbener Eigenschaften. Allmähliche Reduktion von Organen bei Nicht- ^ brauch i m Laufe phylogenetischer Entwickelung ist nur durch die jedes- la Hge erbliche Übertragung der vom Individuum durch Nichtgebrauch er ­ zenen Reduktion zu verstehen, d. h. durch den Lamarckismus. nLI:r n. Centralblatt für Anthropologie. 1903. 6-