78 B. Referate. Anthropologie. form der Gehirnrinde zum Abschlüsse kommt. Es hängt damit auf das innigste die weitere Frage zusammen, ob sich nachweisen lässt, dass Übung und Erziehung noch auf verhältnismässig späten Entwicklungsstufen des Menschenkörpers die Gestaltung des Hirns merklich beeinflussen. Yf. hat nun 80 Hemisphären (= 40 Gehirne) aus der ersten Hälfte des Extrauterin ­ lebens, 40 und ebensoviel Q, zusammengebracht; er untersuchte ausser ­ dem 10 Hemisphären von Föten des 6.—9. Monats, 12 Hemisphären von Kindern im Alter von 6 Monaten bis zu 8 Jahren, endlich 10 Hemisphären erwachsener Individuen beiderlei Geschlechts. Yon den Ergebnissen, zu denen Yf. gelangt, ist besonders beachtenswert der Satz, dass die Ent ­ wicklung der Furchen und Windungen nicht, wie bisher vielfach angenommen wurde, in der fünften Woche des Extrauterinlebens endgiltig abgeschlossen ist, sondern sich bis zum Ende des ersten Halbjahres erstreckt. Yf. ist sogar der Meinung, dass auch nach dem ersten Halbjahr und überhaupt Avährend der ganzen Dauer des Hirnwachstumes (? Ref.) feinere Modellierungs ­ vorgänge an der Gehirnoberfläche noch stattfinden. Irgend welche positive Thatsachen zum Beweise dieses Satzes werden freilich nicht beigebracht. Richtig ist jedenfalls, dass unsere Statistik der Furchen- und Windungs ­ varietäten noch sehr der Vervollkommnung bedarf. Je mehr man mit der Sache sich beschäftigt, desto deutlicher wird es, wie wenig wir eigentlich davon wissen. Man fragt sich unwillkürlich, wo denn da die Grenzen der Variationen liegen mögen? — Eine ausführlichere Besprechung des Inhaltes der Schrift, auf die hier nur kurz hingewiesen sei, behalten wir uns vor. Dr. Richard Weinberg-Dorpat. 93. E. Reinhardt: Über den Ansatz der Musculi lumbricales an der Hand des Menschen. Anatomischer Anzeiger 1901. Bd. XX, Nr. 5 und 6, S. 129. Bestätigung der von Kopsch aufgesteliten zwei Typen der Insertion des Systemes der Lumbricalmuskeln; 1. alle vier inserieren an der radialen Seite des 2.—5. Fingers (39°/ 0 ), oder 2. Lumbricalis III zerfällt in 2 Köpfe bei „normalem“ Verhalten der übrigen Muskeln. Da die Häufigkeit beider Anordnungen keine grossen Differenzen aufweist, so sind rassenanatomische Unterschiede zwischen Slaven und Germanen in diesem Punkte nicht anzu ­ nehmen. Wie verhält sich die Sache bei weiter entlegenen Rassen? Auch der Einfluss, den spezielle Berufe auf die Anordnung der Lumbricales üben, ist zu eruieren, und schliesslich auf Geschlechtsunterschiede (die Vf. nicht berücksichtigt) zu achten. J) r . Richard Weinberg-Dorpat. 94. Franz Daffner: Das Wachstum des Menschen. 2. vermehrte lind verbesserte Auflage. Leipzig, W. Engelmann, 1902. Gegenüber der ersten, 1897 erschienenen Auflage hat die vorliegende eine ganz erhebliche Vermehrung erfahren, der Umfang des Buches erreicht