56 B. Referate. Urgeschichte. ägyptischer Alabasterdeckel mit der Kartouche des Hyksoskönigs Khyan (19.—17. Jht.) ist für die Datierung des ganzen Palastes wichtig. Er wurde in einer Schicht gefunden, welche unmittelbar unter den mykenischen Fundamenten liegt; dieselbe Schicht enthält zahlreiche Fragmente von Stein ­ vasen, die sich in Form und Ornament von denjenigen des entwickelten mykenischen Stils unterscheiden. Ferner wurde ein Thongefäss mit einer eingeritzten Inschrift gefunden und zwar in demselben Raume wie eine Anzahl Thongefässe vom Charakter der prämykenischen Kamares-Keramik; letztere reicht demnach mit ihren Ausläufern bis in die mykenische Zeit. Von den sonstigen Funden seien hervorgehoben: das Freskobild eines Mädchens, ein Relief eines Faustkämpfers, ein grosses Steingewicht mit Reliefdarstellungen von Tintenfischen, eine reichverzierte riesige Stein-Amphora von 69 cm Höhe und 2*^ m Umfang sowie die Überreste eines prachtvollen Spielbrettes aus Elfenbein und Gold mit Einlagen von Bergkrystall, Silber ­ platten und blauem Glasfluss. Br. A. Götze-Berlin. 65. A. J. Evans: The Mycenaen tree and pillar cult and its mediterranean relations. With illustrations from recent Cretan finds. London, Macmillan, 1901. 8°, XII, 106 S. Die neuen Ausgrabungen auf Kreta, die nach den verschiedensten Richtungen hin von grösstem Interesse sind, lassen auch auf eine im allge ­ meinen schwer zu deutende Klasse von Denkmälern erwünschtes Licht fallen, nämlich auf gewisse Gegenstände des religiösen Kults. Es ergeben sich jetzt, wie Evans in überzeugender Weise darlegt, Beziehungen des alten Baum- und Pfeilerkults zu Darstellungen von Altären, Doppeläxten, den „horns of consecration“, den heraldischen Tieren nach Art des Löwenthor- Reliefs und schliesslich auch zu megalithischen Bauten. Hiervon ist für die Prähistorie von der grössten Bedeutung, was E. über die horns of conse ­ cration sagt. Das sind Figuren in Form zweier von einer Basis aufstrebender Hörner, von denen eine Menge Beispiele aus dem mykenischen Kulturkreise beigebracht werden. Sie bilden häufig die Unterlage, gewissermassen einen Sessel für heilige Bäume oder Pfeiler, oder auch für die Doppelaxt, das Symbol des kretischen Zeus; sie stehen so einerseits — als Träger der Gottheit — in Beziehung zu dem Reichelschen Thronkult, andrerseits zu den ebenfalls in mykenischer Zeit vorkommenden Stierköpfen mit der Doppel ­ axt zwischen den Hörnern. Gewisse symbolische Gegenstände, wie eben die Doppelaxt, erscheinen als sichtbare Personifikationen der Gottheit und werden so selbst Objekte der Yerehrung. Die Doppelaxt führt weiter zur Erklärung des Labyrinthes. Labrys ist nämlich nach E. der lydische (oder karische) Name für das griechische TceÄexu^, die zweischneidige Axt; das kretische Labyrinth wäre also „das Haus der Doppelaxt“. Yon hohem Interesse^ für die Kenntnis des mykenischen Kults ist ein im Palaste von