ß. Referate. Urgeschichte. 53 60. Walter Goetz: Ravenna. Leipzig und Berlin 1901. (= Be ­ rühmte Kuüststätten, No. 10.) Das kleine Werk, eine reich illustrierte Monographie über die Ge ­ schichte Ravennas, ist ein schätzenswertes Hülfsmittel für jeden, der sich mit der Erforschung der Yölkerwanderungszeit beschäftigt.* Denn Ravenna hat gerade im 5. und 6. Jahrhundert seine Glanzzeit gehabt: zuerst unter der Regierung der Galla Placidia, die 25 Jahre lang das weströmische Reich für den unmündigen Valentinianus III. verwaltete, dann unter dem Ostgoten Theoderich. Aus beiden Perioden ist gerade in Ravenna eine Anzahl wohldatierter kirchlicher Bauten erhalten, deren Mosaik- und sonstiger Schmuck auch für den Archäologen von hervorragendem Werte ist, da hier zahlreiche Motive und Ornamente erscheinen, die auch zur Verzierung profaner Gegenstände nicht selten benutzt worden sind. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang besonders das Mausoleum der Placidia und das ­ jenige Theoderichs, dieses nicht — wie früher angenommen wurde — ein Denkmal gotischer Kunstübung, sondern ein spätantikes Monument. Doch fehlt es in Ravenna auch nicht an Dingen aus späterer Zeit: lehrreich ist beispielsweise ein Vergleich zwischen zwei figurenreichen Mosaikgemälden aus dem 6. und der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts. Die Abbildungen sind nach Photographie angefertigt, zum Teil sind es dieselben, die in Springer’s Handbuch der Kunstgeschichte verwertet worden sind, das in demselben Verlage erschienen ist. Der Preis des nützlichen Werkchens beträgt nur 3 Mark. Heinrich Kemke-Königsberg. 61. V. Giuffrida-Ruggeri: Materiale paletnologlca di una caverna naturale di Isnello presso Cefalü in Sicilia. Atti d. Soc. di Antropol di Roma. 1901. Vol. VIII, Fase. III, S. 337, 2 Taf. Verf. untersucht die Skelettreste aus einer Höhle bei Isnella, Provinz Palermo. Hier lagen bei neolithischen Geräten, Obsidian- und Topfstücken, etwa hundert menschliche Skelette über einander gehäuft. Nur ganz wenig wurde gerettet, so dass dem Verf. schliesslich nur 4 ganze Schädel, 9 mehr oder weniger schadhafte Schädel und viele Bruchstücke, 7 Femora (alle verletzt), 4 Humeri und einzelnes andere Vorlagen. Die Schädel, welche im Gegensatz zu solchen aus Westsicilien keine O °pur von künstlicher Färbung aufwiesen, haben keinerlei besonders auffallende Merkmale. — Verf. beschreibt sie einzeln genau und giebt die Maasse in eiQ er Tabelle: sie sind dolichocephal oder mesocephal (Index 68,6—73,1 75,2—76,0) der Obergesichtsindex ist 47—48,4—53,4; es sind drunter chamäprosope und leptoprosope, platyrhine und leptorhine, chamä- c onche und hypsiconche (bei so geringem Materiale!) vertreten. Bezüglich dßr Extremitätenknochen sei hier nur die Platymerie der Oberschenkel und