B. Referate. Ethnologie. 21 wichtige Furchtgefühle aus: das eine ist noch vormenschlichen Ursprunges und geht nur vom weiblichen Wesen aus (geschlechtliche Verweigerung), das andere dagegen ist ausgesprochen menschlichen Charakters und eher socialen, als sexuellen Ursprunges (Neigung zu Abscheu, Ekel). — Das sexuelle Schamgefühl des Weibchens ist auf die Sexualperiodicität des weiblichen Geschlechtes überhaupt zurückzuführen. Es ist der unwillkürliche Ausdruck der organischen Thatsache, dass augenblicklich nicht die Zeit zum Lieben ist. Es ist daher das unvermeidliche Nebenprodukt der natürlichen agressiven Handlungen des männlichen Wesens in geschlechtlicher Hinsicht und der natürlichen abweisenden Haltung des Weibchens. Dieses Abwehr ­ gefühl wird so zur Gewohnheit, dass es sich auch zu Zeiten äussert, wo es aufhört angebracht zu sein. — Dieser „animalische“ Faktor des Scham ­ gefühls erklärt aber nicht alle Erscheinungsformen desselben, so z. B. nicht Schmuck und Kleidung und noch weniger das Schamgefühl des Mannes. Verf. geht hierbei auf den Ekel zurück, eine der ursprünglichsten und allge ­ meinsten socialen Eigenschaften der Menschheit. Mit Recht nimmt er an, dass das Gefährliche und Nutzlose beim Menschen Abscheu errege und dass, da die Verdauungs- und Geschlechtsausscheidungen in diese Kategorie fallen, die genito-anale Gegend zum Mittelpunkt des Ekels wurde; der Mensch wollte nicht Abscheu und Ekel erregen. Die sociale Furcht, Widerwillen hervorzurufen, verbunden mit dem animalischen Faktor der geschlechtlichen Verweigerung, erscheint ihm demnach als das Grundelement des Scham ­ gefühls. Als weiteres Moment des Schamgefühls kommt dann das rituelle Element hinzu, besonders die Idee der ceremoniellen Unreinheit. — Von der Kleidung ist das Schamgefühl ursprünglich vollkommen unabhängig, denn die primitiven Faktoren desselben entwickelten sich schon lange vor der Einführung der Kleidung und des Schmuckes. Verf. verfolgt die weitere Entwicklung des Schamgefühls mit der Zunahme der Civilisation, infolge deren noch andere Momente hinzutreten und die Auffassung des Scham ­ gefühls selbst mancherlei Veränderungen erfährt. Wenngleich wir mit seinen Darlegungen nicht immer uns einverstanden erklären können, so müssen wir doch zugeben, dass dieselben geistreich und anregend geschrieben sind. Der zweite Abschnitt (S. 77 — 160) ist dem „Phänomen der Sexual- Periodizität“ gewidmet. Unter Würdigung zahlreicher Beobachtungen be ­ schäftigt sich Verf. zunächst mit den Erscheinungen der Menstruation bei Tieren und Menschen, ihr Verhältnis zur Ovulation und Brunst, sowie ver ­ schiedenen anderen das gleiche Gebiet streifenden Fragen. Er prüft sodann die Frage nach dem Vorhandensein einer menstruellen Periodizität beim männlichen Geschlecht; dass eine solche als absolut sicher anzunehmen ist, will er nicht behaupten, hält sie aber auf Grund genügender Beobachtungen für sehr wahrscheinlich. Schliesslich kommt Verf. auf die jährliche Sexual- Periode bei Tieren und Menschen zu sprechen, im besonderen auf die Tendenz