Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften in Verbindung mit D. Anutschin-Moskau, T. de Aranzadi-Barcelona, GL Colini-Rom, A. Götze-Berlin, Fr. Heger-Wien, J. Heierli-Zürich, A. H. Keane-London, Y. Koganei-Tokyo, F. v. Luschan-Berlin, L. Manouvrier-Paris, R. Martin-Zürich, O. Mon telius-Stockholm, S. Reinach-Paris, L. Stieda-Königsberg, A. v. Török-Budapest und anderen Fachgenossen herausgegeben und geleitet von Dr. phil. et med. G. BuSChan, Stettin. 7. Jahrgang. Heft 2. 1902. A. Originalarbeit. Das neolithische Grabfeld von Flomborn in Rheinhessen und die Hockerfrage. Von Prof. Dr. C. Mehlis. Am 27. März und am 3. April 1901 fanden auf diesem von Dr. Köhl, dem verdienstvollen Konservator des Paulus-Museums zu Worms, neuentdeckten Grabfelde aus der mittelrheinischen Neolithik grössere Ausgrabungen statt, an denen sich ausser Vertretern der Museen und Altertums vereine vom ganzen Mittelrhein auch Prof. Rudolf Virchow und sein Schwiegersohn Prof. Henning aus Strassburg be ­ teiligten. Das Grabfeld selbst liegt in ca. 300 Meter Seehöhe auf einem von Löss überdeckten Tertiärkalkrücken unmittelbar westlich vom jetzigen Friedhof, dessen Ostflanke reich mit Gold und Edelgestein ge ­ schmückte fränkische Gräber dem Museum zu Worms früher geliefert hat. — In V 2 —V/ 2 Meter Tiefe zeigen sich den Blicken der Zuschauer 14 Skelette auf der Sohle von teils trichterförmigen Gruben teils vier ­ eckigen, mit Steinen an den Ecken gekennzeichneten Gräbern. Es sind deutlich zwei Arten von Beisetzungen, zw r ei Typen verschiedener Rassen zu unterscheiden! Die ältere — 9 Leichen — besteht 'in der Bestattung aus hockerförmig, in Gruben von 1—1,30 Meter Länge und 1 / 2 Meter Breite zusammengekauerten Skeletten. Dr. Köhl vermutet in seiner Erklärung, dass diese Neolithiker nach Art der peruanischen Leichen künstlich mit Bast zusammengeschnürt der Erde übergeben wurden. Es sind Männer, Frauen, Kinder in gleicher Weise beigesetzt! — Die ersteren sind von kleiner Statur, aber kräftigem Knochenbau und mit langen Schädeln, orthognathem Gesicht Intern. Centralblatt für Anthropologie. 1902.