Mit besonderer Herürksichtigung der Anthropologie und Ethnologie. B e g r ü n d e t von Karl Andrer. In Verbindung mit Fachmännern herausgegeben von Dr. Richard Kiepert. Braunschweig Jährlich 2 Bände ä 24 Nummern. Durch alle Buchhandlungen und Postanstalten zun: Preise von 12 Mark pro Band zu beziehen. 1887 . Zur physischen Geographie der Canarischen Inseln. Von Dr. W. Biermann. Der Bau der Canarischen Inseln ist wiederholt eingehend geschildert worden, und namentlich die Hauptinsel hat in dem Specialwerke von Fritsch und Reiß (Geologische Be ­ schreibung der Insel Tenerife, Winterthur 1868) eine so meisterhafte Beschreibung gefunden, daß nur eine geringe Nachlese übrig bleibt. Cs kann sich nur noch darum handeln, das Bild in seinen Einzelheiten weiter auszuführen. Vor allem hat man hier reichlich Gelegenheit, die Kräfte zu beobachten, welche noch fortdauernd an der Umbildung der Erdrinde arbeiten, imb zwar unter vielfach anderen Be ­ dingungen als in unseren Breiten. Nachstehend einige Bilder dieser Thätigkeit. Unter diesen Kräften nimmt vor allen das Meer die Aufmerksamkeit des Beobachters gefangen durch den groß ­ artigen Eindruck seiner Thätigkeit. Die heftigen Luft- bewegungen des Nordatlantischcn Meeres senden einen mächtigen Seegang an die Gestade der Glücklichen Inseln, die von den Stürmen selbst nur selten heimgesucht werden. Während wir an unseren nordischen Meeren die Schönheit der brandenden See meist nur bewundern können, indem wir zugleich den Sturm und Regen in den Kauf nehmen, der uns kaum zum Genusse kommen läßt, können wir hier oft bei windstiller Luft im hellsten Sonnenschein die langen Wogen des Oceans in tiefblauer Farbenpracht sich auf ­ bäumen und überstürzen sehen. Besonders großartig war die Erscheinung der Brandung in den letzten Tagen des Januar 1885 (der Januar war gerade im Norden sehr stürmisch gewesen); in Linien von über 2000m Länge zogen die Schaumkämme heran, spitzten sich zu und über ­ schlugen. Das niedrige Vorland, auf welchem der Puerto de Orotava steht, ist gegen den direkten Anprall der großen Globus Ul. Nr. 12. Wellen geschützt durch einen über 200 m breiten Gürtel von Klippen, die aber zum Theil auch bei der Ebbe vom Wasser bedeckt sind. Nur die in Schaum aufgelösten Wassermassen der zusammengebrochenen Wellen erreichen das feste Ufer; trotzdem waren Blöcke von mehreren Centnern Gewicht über die 3 na hohe Mauer des westlichen Stadt ­ theiles geworfen worden. An den Molen stiegen die kochenden Wassermasscn geiserartig 25 in hoch auf; am großartigsten war aber das Schauspiel im Osten des Städtchens, wo die Wellen gegen den 180 in hohen Absturz der Ladern de Sta. Ursula Sturm liefen. Ein einzeln stehender Fels von 75 in Höhe war zeitweise vollkommen bedeckt und in den Kaminen der Felswand stiegen die Gischt- massen bis fast 100 m auf. — So großartig hatte sich die Brandung sonst weder in diesem noch im vorhergehenden Jahre gezeigt, nur im Winter 1868/1869 erinnereich mich, einige Male nahezu denselben Anblick genossen zu haben. Man sollte glauben, daß nach einem derartigen mehr ­ tägigen Anstürme auch am festen Fels der Küste Ver ­ änderungen sichtbar werden würden. Es ist mir aber nicht gelungen, solche festzustellen, soweit mir die Einzelheiten der Küste bekannt waren. Vielleicht wäre es möglich ge ­ wesen, wenn man vorher gewußt hätte, daß eine ungewöhn ­ lich starke Dünung in Aussicht stand; man hätte dann besonders gefährdete Stellen durch Zeichnung fixiren können (noch bester wäre eine Reihe von photographischen Auf ­ nahmen). Nur an Stellen, wo Geröll das Ufer bildete, war das Meer siegreich vorgedrungen, aber kaum meterweit; an den beiden Stellen freilich, wo es Mcnschenwerk in Gestalt von Wegedämmen erreichen konnte (östlich und westlich vom Puerto), hatte es tiefe Lücken gerissen.- Waren 23