Mit besonderer Herurbsrchtrgung der Antbropologie und Ei Enologìe. Begründet vor: Karl Andrer. In Verbindung mit Fachmännern herausgegeben von Dr. Richard Kiepert. Braunschweig Jährlich 2 Baude à 24 Nummern. Durch alle Buchhandlungen und Postanstalten zum Preise von 12 Mark pro Band zu beziehen. 1887. Cagnat's und Saladiiüs Reisen in Tunesien. XVI. Durch ein schmales, in der BefestigungSmauer ange ­ brachtes Thor gelangt man in das Innere von Kef und so auf einen kleinen Platz, auf welchen die Hauptstraßen der Stadt münden. Die eine, welche fast an der Mauer entlang läuft, führt in den westlichen Theil der Stadt, die zweite dagegen durchschneidet den Osten, während die mittelste, einer steilen und schlüpfrigen Treppe ähnlich, nach dem Mittelpunkte, dem Dar el-Bey und der Burg oder Kasbah, leitet. Alle diese Straßen und den Platz selbst darf man nicht bei Regenwetter sehen, denn alsdann sind es ebenso viel Gicßbäche und Regenpsützcn; bei schönem Wetter aber sind sie fast trocken, aber voll von Staub, Die Reisenden stiegen die mittelste Straße hinauf zu dem ans dem Platze Dar el-Bey gelegenen Hanse ihres Freundes Roy, wo sie Aufnahme und einige Ruhetage nach ihrer langen und anstrengenden Reise fanden, während ihre Leute und Pferde im Dar el-Bey untergebracht wurden. Beim Hinaufsteigen fiel es ihnen auf, daß sie fast ebenso vielen Juden wie Arabern begegneten. El-Kef hieß im Alterthum Sicca Veneria nach einem dort sich erhebenden, weit berühmten Benustempel. Ihre Geschichte ist bald erzählt. Die Stadt war punischen Ursprungs, wie ja auch der dort hoch in Ehren stehende Venusdienst wesentlich orientalischen, phönikischen Ursprungs ist. Während ihres ersten Krieges gegen Rom schickten die Carthager die rcbellirenden Söldner dorthin in Ver ­ bannung. Die Stadt war dann eine der ersten, welche sich den Römern unterwarf. Von Julius Cäsar oder Augustus wurde sie zur Kolonie erhoben und gelangte in der Kaiserzeit zu großer Blüthe, une die noch vorhan ­ denen Reste ihres einstigen Glanzes beweisen. Die Römer Globus LH. Nr. 8. selbst verglichen sie mit Cirta (Konstantine), und so führt sic denn auf den Inschriften unter anderen auch den Titel Cirta Nova; schon dieser Umstand würde genügen, uns ihre Bedeutung in römischer Zeit zu beweisen. In byzan ­ tinischer Zeit besaß sie noch einen gewissen Wohlstand und hielt das Christenthum in hohen Ehren; Zeugen dessen sind nicht nur die darüber noch vorhandenen geschriebenen Be ­ richte, sondern auch die Neste von Kirchen und Basiliken. Da zur Zeit des Diocletianus der berühmte Redner Arnobius dort lehrte und sein Werk gegen die Heiden verfaßte, so muß die Stadt auch in litterarischer Hinsicht eines gewissen Rufes sich erfreut haben. Ihr antiker Name hat sich noch lange nach der arabi ­ schen Eroberung erhalten und findet sich bei El-Bekri und anderen Geschichtsschreibern unter der wenig entstellten Form Schak-Benar. Heute aber ist derselbe vollständig verschwunden. Offenbar wurde der Platz immer für sehr- wichtig gehalten; beherrschte er doch einst den Verkehr zwischen Numidia und der Provinz Afrika, wie noch heute die Straße von Suk-Ahras nach Tunis; er war der Schlüssel des Landes nach Westen hin. Als solchen haben ihn die Tunesier stets angesehen und darum dort eine ver- hältnißmäßig feste Kasbah erbaut, wo sie bei der Nach ­ richt von dem Heranrücken der französischen Truppen Proviant und Waffen in Masse aufhäuften. Beides haben sie nicht verwendet, und mit Recht; denn die auf den Bastionen befindlichen Kanonen wären vielleicht das erste Mal losgegangen, beim zweiten Mal aber sicher zersprungen. Uebrigens war Kef im Jahre 1880 bei weitem nicht so wohlhabend und blühend, wie eine Anzahl anderer Städte der Regentschaft. Denn die tunesische Regierung hatte sie 15