Wii brsondrrer HrrurlrsichklZung der Anthropologie und Ethnologie. Begründet von Karl And ree. In Verbindung mit Fachmännern herausgegeben van Dr. Richard Kiepert. Braunschweig Jährlich 2 Bünde ä 24 Nummern. Durch alle Buchhandlungen und Postanstalten zum Preise von 12 Mark pro Baud zu beziehen. 1887 . Cagnaks und Saladiiks Reisen in Tunesien. Das Lager von Suk el-Dschema ist eines der gesundesten und bestgelegenen in der ganzen Regentschaft und, obwohl auf einem Berge gelegen, doch gegen die heftigen Winde geschützt. Die Temperatur ist stets, selbst im Sommer, niedrig, im Winter sogar zu kalt, denn es fällt oft reichlich Schnee. Krankheiten find deshalb selten und Epidemien treten weniger heftig auf, als in anderen tunesischen Garni ­ sonen. Außerdem besitzt es eine prächtige Quelle, welche zur römischen Zeit durch einen noch ziemlich gut erhaltenen Aquädukt von 5 bis 6 km Länge nach der nahen Stadt Mactar, deren Trümmer den alten Namen in der Form bis heute bewahrt haben, geleitet wurde. Diesen Ruinen galt der nächste Ritt unserer Reisenden. Kurz che sie dieselben durch einen der beiden vorhandenen Triumph ­ bogen erreichten, stießen sie ans ein Oelbaumwäldchen, in welchem einige kleine, mit Aesten bedeckte Lehmhäuser standen. In diesem Theile des Landes ist die Bevölkerung nämlich nur hälbnomadisch und flüchtet sich zur Winterszeit in solche Hütten, welche immerhin wärmer sind, als die Zelte aus Ziegen- und Kameelshaaren. Kommt der Frühling, so muß das reichlich vorhandene Vieh gehütet werden; man schlägt also sein Zelt auf einer Hochebene oder in irgend einem Thale der Nachbarschaft auf und bleibt dort so lange, bis das Vieh kein Futter mehr findet, um dann weiter zu zieheil und erst im Herbst Zuflucht in den Lehmhütten zil suchen. Sobald man diesen Oelbaumhain hinter sich hat, bemerkt man den schon erwähnten einen Triumphbogen, dessen Fundamente durch den vorbeislicßenden Bach und die Regengüsse bloßgelegt sind. Es ist ein großer, mit vier Pilastern geschmückter Bogen; die zu je zwei nild zwei an ­ geordneten Pilaster tragen ein korinthisches Getäfel, und Globus LU. Nr. 7. zwischen ihnen befinden sich halbrunde flache Nischen. Die vor ihnen frei stehenden Säulen sind setzt verschwunden. Weiter ­ hin stößt man auf ein, aus antiken Steinen errichtetes Heiligengrab, dem Sidi Amor geweiht; solcher Kubbas giebt es in und bei den Ruinen drei, welche das Grab eines Vaters und seiner beiden Söhne, Sidi Ali ben-Ahmar, Sidi Amor und Sidi Amru, umschließen. Alle drei stehen bei dem Stamme der Uled-Ajar in so hohem Ansehen, daß man ihnen je ein Grabmal errichtete, anstatt, wie arme oder geizige Stämme thun, alle drei in einem zu vereinigen. Neben Sidi Amru liegt das Amphitheater, das durch seine Kleinheit gegen ­ über denen viel unbedeutenderer Städte auffällt und außer ­ dem schlecht erhalten ist. Unweit davon erhebt sich zur Linken das weithin sichtbare Mausoleum der Julier, welches über der Thür einen Opfer- zug in Basrelief von guter Erhaltung, aber fast barbarischer Arbeit trägt. Aus dem oberen Theile des Denkmals ist eine lange Inschrift in Versen eingegraben, die zum Theil sich noch an der ursprünglichen Stelle befindet; sie singt das Lob des im Alter von 22 Jahren gestorbenen Gaius Julius Proculns Fortuuatianus, seiner Mutter Pallia Saturnina und einer dritten, weiblichen Person, deren Namen ver ­ schwunden ist. Im Inneren befinden sich sechs Nischen, welche einst die Aschenurnen jener drei Personen, dann des Vaters Marcus Julius Maximus und zweier weiterer Indi ­ viduen enthielten. Am anderen Ende der Ruinen liegt ein ähnliches, aber viel besser erhaltenes Mausoleum, dessen pyramiden ­ förmiger First noch aufrecht steht. Sieben korinthische Pilaster mit schönem Getäfel umgeben' die Kammer des unteren Stockwerkes, über der verkröpften Thür ist cben- 13