SUt besonderer Herueksrchtrgung der Anthropologie und Ethnologie. Begründet von Karl Andree. In Verbindung mit Fachmännern herausgegeben von D r. Richard Kiepert. Braunschweig Jährlich 2 Bände ä 24 Nummern. Durch alle Buchhandlungen und Postanstalten 18 87 , zum Preise von 12 Mark pro Band zu beziehen. Prshewalski's dritte Reise in Central-Asien. VI. Während Prshewalski mit seiner Karawane am Jußc des Berges Bumsa, aus Antwort aus Lhassa wartend, ver ­ weilte, hatte er Gelegenheit, sich mit den nomadisirenden Tibetern, welche in nächster Nähe lagerten, bekannt zu machen. In ihrem äußeren Ansehen haben die Tibeter viel Aehnlichkcit mit ihren Stammesbrudern, den Tan guten. Tibeter wie Tangutcn sind weder den Mongolen, noch den Chinesen ähnlich, am ehesten erinnern sie noch an die russischen Zigeuner-, doch macht ihr Gesicht oft den Eindrucks als handele es sich um ein Gemisch aus Mongolen und Zigeu- nern. Der Wuchs der Männer ist im Allgemeinen ein mittlerer, selten ein hoher, die Brust etwas flach, wie ein ­ gefallen, der Körperbau nicht kräftig; die Hautfarbe dunkel- gelb, wie heller Kaffee; der Schädel länglich von der Seite zusammengedrückt, so daß das Gesicht vortritt; die Stirn flach; die Nase meistens gerade und sein; die Wangenhöcker wenig vorspringend, das Auge groß, schwarz, nicht schief gestellt und nicht tiefliegend; die Ohren von mittlerer Größe, nicht abstehend, die Lippen mitunter dick. Das Kinn vor ­ tretend; die vorderen (Schneide-) Zähne, durch weite Zwischen ­ räume von einander getrennt, ragen mitunter aus der Mund- öffnung vor. Der Bartwuchs ist sehr schwach; oft werden die Haare ausgerupft. Die Haupthaare sind schwarz, lang und liegen bündelweise beisammen, wie die Schweifhaare on^s ^ak. Dieselben werden nie gekämmt und nie ge ­ schnitten,^ sondern fallen in Unordnung auf die Schultern herab; hinten werden sie zu einem Zopf geflochten. Die Lamas scheeren und rastren den Kopf. Der Zopf wird mit seidenen Fäden umschlungen und mit knöchernen Ringen, rothen Perlen, kupfernen und knöchernen Plättchen verziert. Globus LH. Nr. 3. Außerdem tragen die Männer nicht selten im linken Ohr ­ läppchen sehrgroßesilberneOhrringeund andenFingern Ringe. Die Frauen der Tibeter sind klein, schmutzig und im Allgemeinen häßlich, nur hier und da sieht man angenehme Physiognomien. Die Gesichtsfarbe ist Heller, die Vorder ­ zähne sind regelmäßiger als bei den Männern. Die Haare werden vorn gescheitelt und seitlich wie hinten in viele kleine Zäpfchen geflochten, welche sowohl auf der Höhe der Schulter, als auch weiter unten an ihren Enden durch zwei breite Querbänder zusammengehalten werden; die Bänder sind je nach der Wohlhabenheit mit Perlen, Steinen, kleinen Schellen, silbernen und kupfernen Plättchen, sogar mit chine ­ sischen Kupfermünzen geschmückt. Bon der Mitte des oberen Querbandes füllt hinten ein langes, breites, ebenso verziertes Band oft bis auf den Fußboden herab; auch die Frauen tragen Ringe in den Ohren und an den Fingern. Die Winterkleidung der Männer wie der Frauen besteht ans einem langen Schafpelz, der bei Wohlhabenden mit Dalemba oder einem rothen Wollstoff überzogen ist. Der Pelz, wird durch einen Gürtel so zusammengehalten, daß oberhalb des Gürtels ein Beutel entsteht; der rechte Aermel wird bei den Männern meist herabgelassen und der Arm bleibt oft auch in kalter Jahreszeit entblößt. Hemden und Hofen sind nicht im Gebrauch, statt der Hosen werden Kniestücke aus Schaffell über die Knie gezogen. Die Stiefel sind aus grobem Wollstoff gefertigt und mit grünen und rothen Längsstreifen verziert; die Schäfte reichen bis zum Knie, die Sohlen sind ans Leder. Strümpfe sind unbekannt. Als Kopfbedeckung werden Mützen aus Schaf- und Fuchsfell getragen; oft aber bleibt auch bei strenger Kälte der Kopf unbedeckt.