Kerbhölzer und Kaveln . 339 starke Verdickung des oberen Endes erklärt . In welchem Gewerbe es benutzt wurde , ist nicht bekannt . Gleichartige Kerbhölzer besitzt das Museum noch aus Bayern und Skutari in Albanien . Über die bayerischen Kerbhölzer im Ries bei Nördlingen hat Hr . Prof . L . Mussgnug1 ) interessante Mitteilungen gemacht , denen die folgenden Zeilen entnommen seien : „ Das Bäckenholz ( meist eichen , 5 : 40 cm ) ist nur einfach , wird aber auf den zwei gegenüberliegenden Schmalseiten gleichmässig verwendet und hat nicht nur einfache halbe und ganze Striche ( V2 und 1 Kr . ) , sondern auch Y ( 5 Kr . ) und X ( 10 Kr . ) , da die Werte , um die es sich hier handelt , je nach der Art der Brote sehr verschieden sind . Wie schon aus dem eben Bemerkten hervorgeht , rechnet man bei dieser Gelegenheit seltsamerweise immer noch nach der früheren Währung , die man nach der Feststellung der Summe mit Hilfe einer Münztabelle in das heute übliche Geld umwandelt . Wie die Kerbseiten der Schmiedhölzer , so werden auch die der Bäckenhölzer nach der Abrechnung abgeschnitzt oder abgehobelt , so dass die unbenützten Flächen immer schmäler werden , bis die alten Hölzer schliesslich durch neue ersetzt werden ; nur dass es für die Bäckenhölzer wohl meist keinen bestimmten Termin gibt , weil sie naturgemäss eher voll werden als die seltner wendigen B'schlaghölzer . Im Yerkehr mit den Bäckern sollen die hölzer namentlich deshalb noch sehr beliebt sein , weil die Kinder , die Brot holen , so das Geld nicht verlieren können und'weil es so für die Bauern , die Holz zur Bäckerei fahren , am bequemsten ist , den Fuhrlohn gegen Brot abzugleichen . Die Brauhölzer , die , wie oben erwähnt , zwar nicht mehr im Eies selbst verwendet zu werden scheinen , sondern nur am Hesselberg , und zwar in den Gemeinden Ammelbruch , Bayerberg , Ehingen , Gerolfingen und Lentersheim , sind ebenfalls nur einfach , unterscheiden sich aber von den bisher genannten , abgesehen von dem geringeren Holz und der schlichteren Machart , auch dadurch , dass sie statt der Anfangsbuchstaben der Kunden , durch welche besonders die Schmiedhölzer gekennzeichnet sind , den Namen des Bräuers eingebrannt tragen ; dass sie , um dieses Zeichen nicht zu vernichten , nur auf einer Seite und auch auf dieser nicht ganz abgehobelt werden , so dass bald eine Art Krücke entsteht ; dass sie auf allen vier Seiten mit halben und ganzen Kerben ( l / 2 und 1 1 ) eng übersät werden und dass sie am unteren Ende den Anfangsbuchstaben der Brauerei als zweites Brandzeichen haben , damit sie nicht von den Kunden verkürzt werden können . Diese Kerben werden mit einer Säge gemacht , die mit einer Kette an der Kellertür befestigt ist . Yor etwa fünfzig Jahren soll in jener Gegend nicht nur das Bier , das über die Gasse geholt wurde , aufs Kerbholz geschnitten worden sein , sondern auch die Zeche , die im 1 ) Das Kerbholz im Ries , Nördlinger Anzeigeblatt vom 20 . August 1912 . 22 *