334 Brunn er : Aus den Sitzungs - Protokollen des Vereins für Volkskunde . Freitag , den 26 . April 1912 . Der Vorsitzende , Geh . Rat Prof . Dr . Roediger , teilte mit , dass der Kultusminister wiederum einen Beitrag von 600 Mk . zur gabe der Vereinszeitschrift bewilligt hat . Hr . Prof . Dr . Ernst Samter sprach über griechischen Totenkult . Der Glaube an ein Fortleben der Seele nach dem Tode findet sich bei allen Völkern . Meist denkt man sich die Seelen in der Erde , aber allgemein glaubt man , dass sie auch auf die Erde zurückkehren und den Lebenden nützen oder schaden können . Der griechische Volksglaube sprach den in die Eleusinischen Mysterien Eingeweihten ein besseres Los im Jenseits zu . Sittliche Gründe waren also bei diesem Mysterienglauben nicht bestimmend , wenn auch höher Gebildete anders darüber denken mochten . Der Totenkult an sich ist jedoch eine vom religiösen Glauben unabhängige Erscheinung . Die reichen Grabbeigaben von Mykenae ( um 2000 v . Chr . ) deuten darauf hin , dass man die Toten verhindern wollte , auf die Erde zurückzukehren . Deshalb gab man ihnen das beste von ihrer Habe mit ins Grab Und opferte nicht nur bei der Bestattung , sondern auch später . Dafür spricht der Kuppelraum vor dem eigentlichen Grabe in Mykenae , wo der Ort für Opfer und Versammlung der Verwandten war . Später galt es als heilige Pilicht , die Toten zu bestatten , nicht nur aus Furcht vor ihrer Wiederkehr . Diese edlere Anschauung ist z . B . aus Sophokles Antigone kennbar , und doch wurden nach der Seeschlacht bei den Arginusen die herren verurteilt , weil sie die Toten nicht bestattet hatten , um den Seelen tuung zu leisten und sie so zu bewegen , dem Staate und Volke nicht zu schaden . Auch später noch verlangen die Seelen nach dem Volksglauben als ihr Recht Bestattung und Opfer , wie Honig , AVein , Milch , Öl und auch Münzen . Mit den letzteren , als einem Stück des Besitzes , sollte der Rest dem Toten abgekauft werden . Auf die Bestattung folgte das Leichenmahl , bei dem der Tote als geber galt . Später fanden noch an bestimmten Tagen am Grabe wiederholte Opfer statt , die sog . Genesia . Ende Februar feierte man in Athen und anderen ionischen Orten ein grösseres Totenfest , die Anthesterien . Dabei wurden die Türen mit Pech bestrichen , und man kaute Blätter des Weissdorns , um die Dämonen zu verscheuchen . Der mit dem Totenkult eng verwandte Kultus der Heroen fand an ihren Gräbern statt . In der Schlacht bei Salamis wurde eine Schlange gesehen , die vom delphischen Orakel für eine Heroenseele erklärt wurde . Die Schlange galt überhaupt als Symbol der Toten . Die Heroen traten nach dem Volksglauben aber auch in ihrer natürlichen Gestalt in Zeiten der Not wieder ans Tageslicht , um ihrem Volke zu helfen . Der Schwur bei den Göttern und Heroen galt bis in die nachchristliche Zeit . Nach Alexander d . Gr . wurden besonders zahlreiche Heroen ernannt . Bei Homer finden sich nur vereinzelte Spuren des Totenkultes , z . B . bei der Leichenfeier des Patroklos und in dem Opfer , das Odysseus den toten Gefährten nach seiner Heimkehr zu bringen ver - heisst . Sonst gibt Homer die Anschauungen höfischer Kreise wieder und nicht den Volksglauben , dem der Totenkult vorzugsweise angehört . Hierüber ist in