Brunner : Protokolle . 221 Aus den Sitziiiigs - Protokollen des Vereins für Volkskunde . Freitag , den 26 . Januar 1912 . Der Vorsitzende , Herr Geh . Reg . - Rat Prof . Dr . Roediger , erstattete den Jahresbericht für 1911 . Der Vorstand setzte sich zusammen aus den Herren Roediger , Bolte , Brunner , Mielke , Fiebelkorn , Minden und Sökeland . Herr Minden legte leider sein Amt als zweiter Schriftführer nieder , das er seit Bestehen des Vereins innegehabt hatte , blieb aber dem stande als Beisitzer erhalten , während Herr Mielke in die Stelle des zweiten Schriftführers gewählt wurde . Über die Veränderungen in der Leitung der einszeitschrift ist oben bereits berichtet worden . Für die wie bisher vom ministerium bewilligte Beihilfe von 600 Mk . zur Herausgabe der Zeitschrift wird der ehrerbietigste Dank des Vereins ausgesprochen . Da die Sitzungen nicht selten durch Anschwellen der kleineren Mitteilungen übermässig ausgedehnt worden sind , sollen in Zukunft die Hauptvorträge in der Tagesordnung vorangestellt werden . Ein weiterer wichtiger Punkt des Jahresberichtes sei hier auf Wunsch des Verfassers im Wortlaut wiedergegeben : „ Veranlasst durch Herrn Hahn , liess ich mich in der Novembersitzung über die Leitung und Aufgaben des Vereins aus und eröffnete damit eine Besprechung , die in der Dezembersitzung fortgeführt wurde . Nach zwei Richtungen traten Wünsche hervor : einerseits empfahl man eine mehr tische , auf weitere Volkskreise gerichtete Tätigkeit , anderseits eine streng schaftliche Haltung des Vereins . Beide Forderungen fanden Widerspruch , und so meint der Vorsitzende auf einer mittleren Linie verbleiben zu sollen , wie sie auch die Satzungen vorschreiben : wissenschaftliche Pflege der Volkskunde , ohne den Bestrebungen von Vereinen , die sich der Erhaltung und Stärkung licher und heimatlicher Sitten und Denkmäler widmen , Teilnahme und Hilfe zu versagen , aber auch ohne die Mitarbeit der Laien auszuschliessen . Wir müssen sie vielmehr dankbar willkommen heissen , weil ohne sie die Zufuhr neuen Materials aus dem Leben bald stocken würde . Das Vertrauen mittlerer und niederer Schichten zu gewinnen , hat der Gelehrte selten Gelegenheit und selten Geschick , und ohne die Hilfe der Laien würde die Volkskunde , ganz gegen ihr Wesen , bald zu einer Stuben - und Büchergelehrsamkeit werden . Gerade ein Verein für Volkskunde scheint mir die Pflicht zu haben , seine Sitzungen und öffentlichungen so zu gestalten , dass ohne Preisgabe strenger Methode auch den TJngelehrten ihr Verständnis und ein freudiges Mitwirken offen bleibt . " [ Max Roediger . ] — Der Schatzmeister des Vereins , Herr Dr . EMebelkorn , erstattete sodann den Kassenbericht für 1911 , aus dem mit Befriedigung ersehen werden konnte , dass es ihm gelungen ist , im Einverständnis mit dem Herrn Verleger die Kosten der Zeitschrift so weit herabzudrücken , dass der Fehlbetrag unserer abschlüsse , der uns jahrelang beunruhigt hat , verschwunden ist . Dem Herrn Schatzmeister wurde für seine erfolgreichen Bemühungen der aufrichtige Dank des Vereins ausgesprochen . — In den Ausschuss des Vereins wurden für das •Jahr 1912 gewählt : Herr Friedel , Frl . Elisabeth Lemke , die Herren A . Behrend ,