Menschenschädel als Trinkgefässe . 7 älter als die den Schädel umfassende Silberschale von 1647 . Da die seite des Schädels und dessen Rand auch von einer Silberschale umfasst werden , so lässt sich die Beschaffenheit des Randes nicht erkennen ; wir wissen nicht , ob er etwa glatt abgeschnitten ist . Der Schädel ist gesprochen brachykephal und besitzt eine grosse Parietalbreite . Da auch die konkave Innenseite des Schädels mit Silberblech überzogen ist , so findet ein unmittelbares Trinken aus dem Schädel nicht statt . Der weihte Wein würde ohnedies durch die klaffenden Nähte auslaufen , und so dient die Reliquie nur als Unterlage für die den Trunk enthaltende Silberverschalung . Dass früher unmittelbar aus ihm getrunken wurde , •erscheint glaubhaft . Während es heute , dem kirchlichen Orte entsprechend , still und sittet unter den Wallfahrern in Ebersberg zugeht , ist das in früheren Zeiten nicht der Fall gewesen , wie wir aus einer Arbeit Georg Hagers ersehen1 ) . Im bayerischen Reichsarchiv befindet sich ein 'Yerzaichnus aller und jeder Clinodien und Heilligtumb , so bej disem wirdigen S . Sewastians Gotzhaus Ebersperg in Silber verfast und jährlichen an der heiligen Kircliweichung menigkhlich fürgezaigt und promulgiert wernd , Anno 1503 beschrieben . ' Danach wurde die Sebastiansbüste am Schlüsse des letzten Ganges gezeigt . Der Priester knüpfte daran die Einleitung : „ Derhalhen welches Mensch darauss will trinken , dem wierdts vergundt . " Darauf wurde jedem Wein aus der Hirnschale gereicht . In Zeiten des Verfalls des Klosters artete diese Sitte in bedenklicher Weise aus . So wurde bei der Visitation im Jahre 1590 festgestellt , dass in der Sakristei aus der hlg . Hirnschale 'bis in die 109 Mass' gezecht worden waren . Es erging deshalb an den geistlichen Administrator die Verordnung : „ Weil fürkhomen , dass in der Sakristey etliche Unordnung und Abusus als mit Zechen und andere Tractierung der Laihen beschechen , soll er darob sein , damit forderhin alle dergleichen Sachen abgestöllt und ver - hüetet werden " 2 ) . Gegen früher haben jetzt die Wallfahrten nach Ebersberg stark genommen , und während ehemals über 100 Gemeinden dorthin alljährlich pilgerten und zum Teil aus weiter Ferne kamen , sind es , wie mir der Mesner sagte , jetzt nur noch 17 , die regelmässig erscheinen , zumeist geführt von ihren Geistlichen ; jede Pilgerschar 70 bis 200 Köpfe stark , so dass immerhin jährlich noch etwa 2000 Menschen den geweihten Wein dort durch die alten Röhrchen trinken . Als Andenken nehmen die Pilger heute kleine aus Zinn gegossene Pfeile mit nach Hause , die sie früher geschenkt erhielten und heute für fünf Pfennige kaufen , während die 1 ) Aus der Kunstgeschichte des Klosters Ebersberg ( Das Bayerland 6 , 438 . 1895 ) . 2 ) Hager a . a . 0 . nach Aktensammelband der Kgl . Hof - und Staatsbibliothek München , Cod . germ . 5055 .