222 Weinhold : Über das echte Tirolerlied . In den Innsbrucker Nachrichten vom 13 . 14 . März 1901 . No . 60 . Gl unter dem Strich hat sich Herr Hans Zangerle über die Pflege des echten deutschen Volksliedes in Tirol und über die Bedrängnis und Gefährdung desselben mit voller Kenntnis der Verhältnisse ausgesprochen . Die Feinde sind die mässig in grossen Mengen erzeugten „ Salon - Tiroler " , die von den meist unter falscher Plagge segelnden , in irgend einer imitierten Tiroler Tracht in der Welt herumreisenden „ Tiroler National - Sängergesellschaften " mit allerlei Faxen getischt werden . Dann die abgeschmackten und nichtsnutzigen , nicht selten haften Wiener Bänkellieder , die von den Soldaten der seit mehreren Jahren in Wien und Linz stehenden Tiroler Kaiserjäger - Regimenter bei ihrer Heimkehr mitgebracht werden . Dem echten Tirolerliede entgegen wirken vielfach auch die zahlreichen deutschen Gesangvereine im Lande , welche die angeblichen Kärntner - , Steirer - und Oberösterreicher Lieder von Koschat , Gauby , Blümel u . a . mit liebe pflegen und künstlichen Ersatz dem echten Liede vorziehen , das durch seine natürliche Lebensfreudigkeit sich scharf unterscheidet von der Empfindelei und Süsslichkeit des sogen . Liedes im Volkston . Herr Zangerle verweist als auf eine Mustersammlung des wahren Tiroler Volksgesangs auf die „ Echten Tiroler Lieder . Unter Mitwirkung mehrerer Freunde herausgegeben von Franz Friedrich Kohl . Wien 1899 " , die unsre Zeitschrift bereits im 10 . Bande , S . 109 gebührend pfohlen hat . Wir wollen über den Vortrag des Tirolerlieds noch einiges aus Hrn . Zangeries Aufsatz herausheben . Der Tiroler singt sein Lied auf den Bergen ohne Instrumentbegleitung , im Thal zur „ Quitarre " ; im Unterinnthal und seinen Seitenthälern zur Zither . brett und Maultrommeln sind fast verschwenden . Am häufigsten wird der stimmige , wie der meist zweistimmige weibliche Gesang von Zither und Laute begleitet . Die Männergesänge hört man meist vierstimmig . Träger der Melodie ist der erste Tenor oder zuweilen ein kräftiger Bariton . Die hohen Töne der beiden Tenore , manchmal auch des ersten Basses ( e f g ) werden fast ausschliesslich mit Fistelstimme gesungen . Der erste Bass , im Volke der Grade oder der Aushalter genannt , singt , soweit die Harmonie es gestattet , fast durchaus die Quinte zur Melodie . Der zweite Bass singt ganz schlicht den Grundton . Der Jodler scheint früher in Tirol durchaus nicht so häufig gewesen , als heute , wo er selbst im Schnaderhüpfl manchmal jedem Strophenverse zugefügt wird . Ja es werden in Tirol selbst Jodler , ohne sich einem Liede mit Worten anzuschliessen , ein - , zwei - und auch drei - und vierstimmig gesungen . Trotz aller Vorliebe der heutigen Tiroler für den Jodler ist derselbe nach dem Urteil von Hrn . Z . nicht so reich entwickelt als in Steiermark . K . W . Wochenzettel für den kärntischen Banerntiscli . Aus der Gemeinde Stockenboj . Erstes Frühstück ( Frúastik ) bei Tagesanbruch , Sommers um 4—5 Uhr . Plenten , d . i . schmarrenartige Polenta aus Mais ( Türken oder Kukurutz ) - Mehl , mit abgekochter ( gsottner ) süsser Milch .