Der Platonismus Michelangelos . Von Victor Kaiser . Die Anthropogonie oder Menschenschöpfung ist von der heutigen Naturforschung als ihre Aufgabe in Anspruch nommen , und zu einem Gegenstande des Wissens gemacht worden , was sonst , als über alle menschliche Erfahrung liegend , der religiösen Ueberlieferung und der dichtenden tasie überlassen war . Hatten diese die Bedingungen des menschlichen Daseins hoch über ihm gefunden , so suchte sie dieselben tief unter ihm , bisweilen sogar nicht einmal in den zunächst angrenzenden Stufen der Tierheit ( Häckel , Die natürliche Schöpfungsgeschichte 1868 ) . »Hässlich rohe Horden , im Kampfe mit Hunger , mit wilden Tieren , mit den Unbilden der Witterung , versunken in Schmutz , dankenlose Unwissenheit und tückische Selbstsucht , das Weib geknechtet , das Alter verstoßen , Menschenfresserei durch Mangel geboten und geheiligt durch abergläubischen Brauch« — das ist das Bild von den Stammeltern unseres Geschlechts , welches du Bois - Reymond in seiner Schrift über »Cultur - geschichte und Naturwissenschaft« ( 1878 ) entwirft . Er sel^t es als die anthropologische Weisheit der Gegenwart »den lieblichen Bildern« entgegen , womit die Dichter das goldene Zeitalter geschmückt haben , und behauptet : »Nicht mit dem goldenen , mit dem steinernen Zeitalter hat überall die schichte der Menscheit begonnen . « Er überträgt also auf die Steinzeit jenes grässliche Bild von brutaler Willkür und tierischer Roheit . Allein die steinernen Beile und Waffen Zeitschrift für VölJcerpsycli . und Sprachw . Bd . XV . 3 n . 4 . 14